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»Wenn die Krieger der Ogellallah nun zu ihren Weidegründen zurückkehren, mögen sie immer daran denken, dass ihre roten und weißen Brüder alle Kinder des großen Manitou sind, der will, dass sie in Frieden miteinander leben.« |
| [Old Shatterhand] |
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Auf dem Miller-Label EUROPA sind in den Jahren 1968 bis 1977 insgesamt 29 Hörspiele veröffentlicht worden, die auf den Büchern des deutschen Autors Karl May beruhen. In der folgenden Rubrik soll Karl May vorgestellt und untersucht werden, warum seine Romane für den Hörspielmarkt der 1960'er und 1970'er im Allgemeinen so interessant waren, und warum im Speziellen die Hörspiele von EUROPA stark voneinander abweichen. |
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Der Autor |
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Karl Friedrich May wurde am 25.02.1842 in Ernstthal (Königreich Sachsen) geboren. Er wuchs unter ärmlichsten
Verhältnissen auf. In der Weberfamilie war er das fünfte von vierzehn Kindern, von denen neun schon in den ersten
Lebensmonaten verstarben. Trotz ständigen Mangels an Geld erreichte es May, ein Studium im Lehrerseminar in Waldenburg
anzutreten. Auf Grund eines Diebstahls wurde er versetzt und führte sein Studium am Lehrerseminar Plauen weiter. Als er
auch hier bei einem Diebstahl ertappt und zu einer mehrwöchigen Haftstrafe verurteilt wurde, war an eine Ausbildung als
Lehrer nicht mehr zu denken. Karl May verdiente seinen Lebensunterhalt fortan hauptsächlich als Privatlehrer. Als er
erneut straffällig wurde, landete er schließlich für über drei Jahre im Zuchthaus Zwickau. Auf Grund guter Führung wurde
er Verwalter der Anstaltsbibliothek und nutzte die Gelegenheit, viel Reiseliteratur lesen zu können. Nach Flucht und
Wiederergreifung saß er über drei weitere Jahre im Zuchthaus Waldheim ab. Erst nach dieser zweiten hohen Haftstrafe
gelang es May im Jahr 1874, bei einem Dresdner Verleger eine feste Anstellung zu erhalten. Ab 1878 war er freier
Schriftsteller und lieferte an mehrere Verlage regelmäßig Beiträge ab, sodass bis zu seinem Tode über hundert
Erzählungen in Fortsetzungen in diversen Zeitschriften veröffentlicht wurden. 1891 bot ihm der Verleger Friedrich Ernst
Fehsenfeld an, seine Erzählungen in Buchform herauszubringen. Dies brachte für Karl May den Durchbruch. Er wurde zu
einem der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache und zu einem der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller.
Die weltweite Auflage seiner Werke wird heute auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen allein in
Deutschland. Karl Mays Reiseerzählungen spielen in der Hauptsache in den Vereinigten Staaten von Amerika (dem "Wilden Westen") und dem Vorderen Orient des 19. Jahrhunderts. Ein wesentliches Merkmal seiner Romane und Erzählungen ist der Umstand, dass ein bestimmter Figurenkosmos existiert, aus dem sich immer wieder bedient wird. May stellte sich selbst in Form Old Shatterhands (im Wilden Westen) und Kara Ben Nemsis (im Orient) dar, der über enorme Kräfte, Erfahrung und Wissen verfügte. Im Laufe der Jahre ließ sich May in Wildwest- und Orientkostümen fotografieren und untermauerte damit seine Behauptung, er habe all die von ihm beschriebenen Abenteuer selbst erlebt. Diese Darstellungen gipfelten während seiner Vortragsreisen darin, dass er 1897 behauptete, 1200 Sprachen und Dialekte zu beherrschen und als Nachfolger Winnetous über 35.000 Apachen zu befehligen. Während der Hauptteil seiner Leserschaft ihm die Wahrhaftigkeit seiner Darstellungen glaubte, wuchs die Zahl seiner Zweifler und Gegner immer mehr an. Zum Vorwurf der Legendenhaftigkeit in der Übereinstimmung seiner Person mit denjenigen Old Shatterhands und Kara Ben Nemsis traten Gerüchte, May habe in seinen Anfangsjahren als Autor pseudonym auch sogenannte Schmutzliteratur verfasst. Auch seine Gefängnisaufenthalte und Vorstrafen wurden öffentlich diskutiert. Der zunächst gefeierte Autor wurde bis zu seinem Tod am 30. März 1912 diffamiert und mit Prozessen überzogen. Er liegt auf dem Friedhof Radebeul-Ost in Radebeul/Dresden begraben, nahe seinem letzten Wohnsitz, der Villa Shatterhand. |
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Das Werk |
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Karl Mays Werk ruft bis heute sehr gegensätzliche Reaktionen hervor. Ähnlich wie zu seinen Lebzeiten teilt sich das
Publikum in eine Gruppe, die die Vermischung der Romanfiktion Mays mit seiner faktischen Biographie als eine legitime
Art und Weise künstlerischen Schaffens anerkennt oder die Romane - auch mit den Bezügen auf den tatsächlichen May -
ganz von dessen Biographie ablöst. Die andere Form der Rezeption entspricht derjenigen, die ebenso schon zu Lebzeiten
Mays auf dem Plan war: Diese Gruppe wirft May Prahlerei, Größenwahn, ja sogar einen pathologischen Hang zum Lügen
vor.
Zwar mag beides nicht völlig voneinander zu trennen sein, doch versöhnt letztendlich der Umstand, dass May in nahezu all
seinen Werken im Grunde nicht die Heldenfigur - egal, ob sich selbst oder andere - in den Vordergrund stellt, sondern
stattdessen die grundsätzliche Idee, in gefahrvollen Situationen und dem Feind gegenüber immer dem christlichen Glauben
entsprechend Nächstenliebe und Gnade walten zu lassen. Auch wenn die Romane ein gewisses Maß an Gewalt beinhalten -
schließlich sind es Abenteuerromane - so werden "die Guten" angeleitet, im Falle des Sieges stets "die Bösen" zur
Einsicht und zum Niederlegen der Waffen zu bewegen. Ziel ist das gewaltfreie, friedliche Miteinander der Einzelnen und
ganzer Völker. (Nichtsdestotrotz finden sich neben diesen altruistischen Ansätzen auch viele dem damaligen Zeitgeist
entsprechenden, andere Völker und Rassen betreffende Klischees in Mays Werken.) Aus der Einsicht in die christliche
Glaubensform wird aus dem Apatschenhäuptling Winnetou, der beim Kennenlernen Old Shatterhands auf "die Weißen" nicht
gut zu sprechen ist, im Laufe der Jahre nach eigenen Worten ein Christ. Es ist kein Zufall, dass Winnetou am Ende von
Winnetou III sein Leben für andere opfert. Die Literaturwissenschaft hat hier messianistische Züge des
unnahbaren und nahezu unfehlbaren Winnetou registriert. Dem in den Abenteuerromanen dargestellten Pazifismus folgte im
Alterswerk Mays eine geradezu symbolistische Ausrichtung zum Weg ins "Reich des Edelmenschen". Im Figurenkosmos Karl Mays existieren die klassischen Helden, die typischen Bösewichte, aber auch die "komischen Figuren", die den Helden zuzuordnen sind. Protagonist, oft auch Erzähler und Held, ist die Figur des Old Shatterhand (»Alte Schmetterhand«), hinter der Karl May zu sehen ist. Er wird von seinem Blutsbruder Winnetou Scharlih (»Charley«) gerufen, was auf Karl (May) zurückzuführen ist. Dieselbe Figur trägt in den im Vorderen Orient spielenden Erzählungen den Namen Kara Ben Nemsi (»Karl, Sohn der Deutschen«). Old Shatterhand führt stets zwei Gewehre mit sich: Einen Henrystutzen und einen Bärentöter. Im Wilden Westen reitet er das Pferd Hatatitla, im Orient Rih. Winnetou ist Häuptling der Mescalero-Apachen und verkörpert den edlen, guten Indianer. Er ist mit einer Silberbüchse bewaffnet und reitet das Pferd Iltschi. Weitere Helden sind im Wilden Westen zum Beispiel Old Firehand und Old Surehand. Zu den eher kauzigen Gestalten oder Helden von kurioser Gestalt gehören zum Beispiel Sam Hawkens, Dick Stone, Will Parker, Tante Droll, Hobble Frank, der dicke Jemmy und der lange Davy, die in der Regel eine deutsche Herkunft haben. Für den Part der Orientromane ist der Engländer Sir David Lindsay anzuführen und selbstverständlich Hadschi Halef Omar. Im mutigen und doch sehr fehlerhaften, vorlauten Halef hat sich Karl May nach eigener Aussage ein Alter Ego geschaffen. Bekannte Übeltäter sind zum Beispiel Santer, der rote Cornel, der Schut und Old Wabble. |
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Karl May und die neuen Medien |
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Schon seit den 1920'er Jahren wurden für das Radio Werke Karl Mays als Hörspiel umgesetzt. In den 1950'er Jahren
produzierte der WDR beachtenswerte, mehrstündige Hörspiele zu den Romanen Der Schatz im Silbersee,
Winnetou, Old Surehand und Durch die Wüste, die in mehreren Folgen gesendet wurden. Hansjörg Felmy
sprach den Winnetou. Im Jahr 1959 sendete der NDR ein Hörspiel mit dem Titel Fährten in der Prärie, das auf
einer Umsetzung von 1937 und frei auf der Buchvorlage Winnetou III beruhte, und in dem Hans Paetsch als Erzähler
und Will Quadflieg als Winnetou mitwirkten. Marianne Kehlau war ebenfalls beteiligt.
Zwar hatte es schon mehrere Versuche gegeben, Karl May für das Kino zu adaptieren, doch erst die Karl-May-Filme der
1960'er Jahre brachten hier, nicht zuletzt auf Grund der Quantität, einen Durchbruch. Zwischen 1962 und 1968 wurden 17
Kinofilme gedreht, die mehr oder weniger entweder Romane Karl Mays als Vorlage hatten oder sich bei vollkommen frei
erfundener Handlung zumindest bei Heldenfiguren derselben bedienten. Trotz dieser erheblichen Abweichungen werden die
Filme gemeinhin als "Karl-May-Filme" bezeichnet. Pierre Brice verkörperte den Winnetou und Lex Barker den Old
Shatterhand. Im Zuge dieses Erfolges entstanden ab 1962 bei der Phonogram (Label Philips, später Fass) die ersten Hörspiele zu Karl May auf Tonträger; zunächst auf Singles und dann zusammengefasst auf Langspielplatte. Unter der Regie von Joseph Offenbach und Kurt Vethake sprachen hier zum Teil Charles Brauer den Winnetou, Volker Brandt den Old Shatterhand und Wolfgang Reinsch den Kara Ben Nemsi. Auch Benno Gellenbeck und Edgar Maschmann waren in diesen Produktionen bereits mehrfach zu hören. Die Cover bestanden in der Single-Version zum Teil aus Zeichnungen und zum Teil aus Fotos von Szenen der Karl-May-Festspiele Bad Segeberg. Die in höherer Auflage erschienen LPs trugen als Cover Abzüge der grünen Karl-May-Buchdeckel des Karl-May-Verlages. |
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Nachhall |
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Als 1980 im Fernsehen die 14teilige Serie Mein Freund Winnetou mit Pierre Brice in der Titelrolle gesendet
wurde, die mit Karl May außer den Titelfiguren nichts zu tun hatte, wurde bei EUROPA unter der Regie von Heikedine
Körting aus der Tonspur der Serie eine siebenteilige Hörspielserie entwickelt. Ein achter Teil enthielt die Musik zur
Serie. Winnetou wurde von Christian Brückner gesprochen, der auch als deutsche Synchronstimme von Robert de Niro
bekannt ist.
Etwa Mitte/Ende der 1980'er Jahre (und in einer Zeit, in der Hörspiele im Begriff waren, auszusterben) brachte EUROPA
die sogenannte Karl-May-Serie im Cassettenformat heraus. Sie umfasste so ziemlich alle alten Karl-May-Hörspiele, die im
Wilden Westen angesiedelt sind: Winnetou I (Folge 1-3), Winnetou II (Folge 1-2), Winnetou III (Folge
1-3), Der Schatz im Silbersee (Folge 1-2), Old Surehand I und II, Old Shatterhand (Folge
1-2), Old Firehand (Folge 1-2). Das Besondere daran war, dass alle Folgen durchnummeriert und mit dem
jeweils gezeichneten Cover ausgestattet waren. Der Seriencharakter wurde durch einheitlich grünen Kopf und Rücken des
Layouts verstärkt - ganz im Stil der Karl-May-Bücher.
Die genannte Serie stellte den Versuch dar, die Karl-May-Einzelhörspiele in die Vermarktungsstrategie, die ab Mitte der
1980'er Jahre bei EUROPA herrschte, zu integrieren. Auf dem Label erschienen ab dieser Zeit nur noch Hörspielserien und
keine Einzelhörspiele mehr. Ein Großteil der Karl-May-Umsetzungen wurde ab 2005 in der Serie "Die Originale" auf CD
wiederveröffentlicht. Neue Hörspiele nach Karl May sind nach 1977 bei EUROPA jedoch nicht hinzugekommen. |
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Appendix |
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Unsere Podcast zu den Karl-May-Hörspielen sind hier zu finden: |
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