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1. Kommentar von Pitichinaccio





»Drei Seelen brauche ich!«

(Schörgen-Toni)




Die zweite Staffel der »Gruselserie« begann für mich aus damaliger Sicht mit einem eher mittelmäßigen Hörspiel, eben diesem. Sicherlich, die Protagonisten wurden mit mehreren gruseligen Erscheinungen konfrontiert (blutige Fußspuren, schreiende Hände und nicht zuletzt der unheimliche Toni selbst), aber so rechte Begeisterung vermochte sich bei mir nicht einzustellen.

Zurückblickend mache ich dies an vier Punkten fest: erst einmal überleben alle Hauptfiguren die Geschichte unbeschadet, Marion Martienzen (die Tochter von Gerd Martienzen) gefiel mir in der Rolle der hysterischen Angela überhaupt nicht, die ständig wechselnden Bezeichnungen störten mich (St. Michael beziehungsweise St. Michaelis sowie Moosheim beziehungsweise Moosham und obendrein noch der Schergen-Toni beziehungsweise Schörgen-Toni - ja was denn nun?) und schließlich noch eine hörbare Doppelbesetzung: Karl-Ulrich Meves, der hier sowohl die Rolle des Busfahrers als auch die des Teufels übernahm.

Aus dem letzten Punkt schloss ich beim ersten Anhören der Schallplatte, dass die sich am Schluss einstellende Rettung der Fahrgäste nun als endgültige Katastrophe entpuppen würde - und zwar dergestalt, dass der Busfahrer in Wirklichkeit der Teufel ist und sich die Seelen jetzt durch die Busfahrt holt. Schließlich war man durch Verpuppungen wie Professor Shay und Java-Jim, Gulliver und Mrs. Juana aus den »drei ???« vorgewarnt. Hier jedoch: Fehlanzeige - der Busfahrer ist nur ein Busfahrer und die Sorge des kleinen Hörers löst sich in Wohlgefallen auf. Vielen Dank auch!

So war diese Folge für mich zwar kein Totalausfall, aber eher unteres Mittelfeld und ruhte lange im Schrank. Erst nach und nach offenbarten sich für mich die Vorteile dieser Produktion, die auch Fräulein Martienzen (»Nein, ich will nicht still sein, ich will schreien! Ahhhhh!«) etwas in den Hintergrund drängten.

Die solide Grundlage der hier in die Geschichte eingewobenen Sagen aus dem Lungau, die gefühlvoll eingesetzte Musik von Carsten Bohn und »Betty George« (Sammelpseudonym) und die authentisch umgesetzte Winteratmosphäre mit knirschenden Schritten im Schnee und pfeifendem Wind sind schon deutliche Pluspunkte.

Die Sprecher sind solide bis gut, allen voran Renate Pichler, die eigentlich in jeder ihrer Rollen überzeugte und von der die Hörspielwelt im Mai 2019 für immer Abschied nehmen musste. Auch brillant klingt Henry Kielmann, der in der finalen Szene fast wahnsinnig vor Angst die drei Seelen von den Schlossbesuchern einfordert. Kielmann war im Produktionsjahr 1981 gerade zum EUROPA-Label gestoßen und hatte gleich vier Auftritte in den aufeinander folgenden Hörspielen der »Gruselserie« »Der Pakt mit dem Teufel«, »Die Nacht der Todes-Ratte« (als Kommissar), »Dem Monster auf der blutigen Spur« (als Fischer Pouliguen) sowie »Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf« (als Ben).

Im Nachhinein konnte ich mit der Produktion, die mit knapp 34 Minuten Spielzeit allerdings recht kurz geriet, also noch meinen Frieden machen. Gemessen an vielen heutigen Produktionen, die auf Teufel-komm-raus die knapp 80 Minuten Spielzeit einer CD auszunutzen versuchen, scheint es mir jedoch das klügere Rezept zu sein, nicht auf die lange Spielzeit zu setzen, sondern auf eine stringent erzählte Geschichte.

Eingedenk der einleitenden Kritikpunkte bekommen Toni & Team daher von mir vier Seelen ... äh: Mucks.





Bewertung:










2. Kommentar von Christoph




Ich liebe alte Sagen und Gruselgeschichten. Umso erfreulicher und interessanter fand ich es schon damals, eine MC in den Händen zu halten, deren Inhalt sich eben nicht mit Dracula, Frankenstein, einem Werwolf oder beispielsweise einer Mumie beschäftigt. Die Sage von der »Höllenfahrt des Schörgen-Toni« war mir damals nicht bekannt, wie auch - damals waren derartige Recherchen ohne Internet halt noch weitaus aufwändiger. Ähnlich empfunden hatte ich auch bei Folge 13 »Dem Monster auf der blutigen Spur«. Auch diese gefiel mir immer schon sehr gut. Dass es aber einen tatsächlichen Bezug zu einer Sage beziehungsweise einer Legende gibt, habe ich erst später erfahren.

Ich erläutere kurz die Sage: Toni ist ein weit im Lande gefürchteter Gerichtsdiener (Kerkermeister, Folterknecht), der seinen ihm anvertrauten Gefangenen mit brutaler Härte und Grausamkeit entgegentritt - dies umso mehr bei Wilderern. Da er für seine vielen Sünden offensichtlich noch nie hatte zahlen müssen, dachten die Leute seinerzeit, er hätte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Das dem wirklich so war und er einen Vertrag mit dem Fürsten der Finsternis eingegangen war, ahnte natürlich niemand. Jedoch laufen auch "teuflische" Verträge irgendwann einmal ab beziehungsweise müssen erfüllt werden. Dieser Zeitpunkt war für den Schörgen-Toni nun gekommen. In einer stürmischen Nacht fährt eine unheimliche schwarze Kutsche in den Schlosshof von Moosham ein. Der Leibhaftige entsteigt dieser und erklärt Toni, dass es nun Zeit für ihn ist, die Fahrt in die ewige Verdammnis anzutreten. Alles Flehen und Bitten nützt nichts, der Teufel lässt nicht mit sich handeln - Toni fährt zur Hölle.

Im vorliegenden Hörspiel wurde die Geschichte um Tonis vermeintliche Höllenfahrt einfallsreich weitergesponnen. Und zwar scheint Toni hier - anders als in der Sage - tatsächlich noch eine Chance bekommen zu haben, der Hölle zu entkommen. Hierzu muss er dem Teufel drei Seelen (also drei Menschenleben) in seine Fänge treiben. Genau genommen muss Toni wirklich schon in der Hölle gewesen sein, da die Sage aus dem 18. Jahrhundert stammt, das Hörspiel hingegen wohl in unserer Zeit, also wahrscheinlich nach dem II. Weltkrieg, spielt. Auch wenn Toni im Hörspiel verlauten lässt, dass er »weiß, was Höllenqualen sind«, scheint der Teufel - mit dem er sich gerade unterhält - hierfür kein Gedächtnis zu haben. Ein Teufel mit Konzentrationslücken beziehungsweise teilweisen Gedächtnisverlust, Sachen gibt's ...

Nun endlich zum Hörspiel: Kurt Krohn und dessen Vorgesetzter Paul Wille sitzen gemeinsam mit ihren Frauen, Angela Krohn und Elke Wille, im Bus, welcher sie nach Spittal an der Drau bringen soll. Durch einen plötzlichen Schneesturm bleibt der Bus im Schnee stecken - die Fahrt ist hier erst einmal zu Ende, was besonders Paul Sorgen bereitet, da er am morgigen Tag einen wichtigen Termin in Spittal hat. (Als Kind dachte ich immer, er hätte einen Arzttermin im HoSpital.) Wie aus dem Nichts kommt ein Pferdeschlitten daher gefahren. Der Kutscher Toni bietet den beiden Ehepaaren an, sie zum nahegelegenen Schloss Moosham zu fahren (»Dort ist es warm und sicher!«). Und auch wenn der Busfahrer den Vieren eine Weiterfahrt in zwei, drei Stunden in Aussicht stellt, nehmen sie doch Tonis seltsames Angebot an. Ob Paul Wille bereits zu diesem frühen Stadium sämtliche zuvor für ihn wichtigen Zeitpläne über Bord geworfen hat, bleibt mir ein Rätsel.

Angekommen auf Schloss Moosham (manchmal auch "Mooshäm" oder "Moosheim" benannt) schenkt Toni seinen Gästen erst einmal einen Jagertee ein. Kurz darauf verlässt er sie. Und auch wenn es die Vier kurz zuvor noch recht gemütlich auf Schloss Moosham fanden, so muss man diesen Eindruck schon bald revidieren. Seltsame und unheimliche Dinge ereignen sich nun bald im Minutentakt und man stellt entsetzt fest, dass man auf Schloss Moosham ebenfalls eingeschneit ist - an Flucht ist also einmal erst nicht zu denken. Man sieht sich nach und nach im Schloss um und findet (sehr zum Erstaunen meinerseits) heraus, was hier gespielt wird. Dies ist meiner Meinung nach ein Manko, da fast keiner der entdeckten Hinweise einen zu einem solchen Schluss hätte kommen lassen. Ein zuvor von Paul und Kurt mitgehörtes Gespräch zwischen dem Schörgen-Toni (auch Schergen-Toni genannt) und dem Teufel bestätigt beiden, dass es wohl bald um Leben und Tod geht.

»Drei Seelen, oder du wirst lernen, was Höllenqualen sind!«, fordert der Teufel (herrlich crazy gesprochen von Karl-Ulrich Meves). Dass die beiden Männer zusammen mit ihren Frauen ja gar vier Seelen haben, spielt für den Teufel wohl weit weniger eine Rolle als für ein auch immer wiederkehrendes Gespenst namens Siegfried von Moosham. Dieser hatte sich damals mit seiner Geliebten zu Tode gestürzt, da sein Vater offenbar mit seiner Brautwahl nicht konform ging. Da nun auch Geister ihre Angewohnheiten zu haben scheinen, versucht Siegfried nun, wiederum eine Frau mit in den Tod zu nehmen - erfolglos und fast so tollpatschig, wie das berühmte Gespenst von Schloss Burgeck. Punkt für den Teufel, kann er hierdurch auf eine "Bonusseele" hoffen. Obwohl wie gesagt weder Vampire noch sonstige bekannte Untote vorkommen, kann man Toni und seinen Gehilfen, den Wölfen, ebenfalls mit Kreuzen und sonstig Christlichem ganz gut die Stirn bieten. Die Vier verschanzen sich schlussendlich in der Schlosskapelle - ein Umstand, welcher Tonis Höllenfahrt nun endgültig besiegelt. Man ist gerettet und sogar der nette Busfahrer scheint einen Umweg gemacht zu haben, um die vier Überlebenden abzuholen.

Schön an diesem Hörspiel finde ich, dass man nicht erst gedanklich bis in die Karpaten reisen muss, um das Böse zu finden. Nein, auch bei unseren Nachbarn im Süden scheint es schon mal gewaltig zu spuken, und das ganz ohne Dracula & Co. Auch weiß ich dank dieses Hörspieles, dass man eine hysterische Frau nur mit einer Ohrfeige wieder zur Vernunft bringt - dies war natürlich nur ein Scherz. »Der Pakt mit dem Teufel« ist eine für mich insgesamt gelungene Adaption, beruhend auf einer klassischen Sage, die immer wieder Freude macht. Eine kurzweilige Geisterbahnfahrt (weil in der Tat recht kurz), manchmal mit ein bisschen zu viel Geschrei, besonders von der geohrfeigten Dramaqueen Angela (»Ich ertrage es nicht!«, »Ich will nicht mehr!«, »Ich möchte schreien!«), interessant und schaurig schön.

Gäbe es maximal 10 Mucks zu vergeben, so hätte dieses Hörspiel von mir 9 davon erhalten. Ich Runde daher auf - 5 blutige Mucks.





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