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| 1. Kommentar von Pitichinaccio |
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Mit der achten Geschichte der »Gruselserie« erreichte man einen der Höhepunkte der Reihe - und wieder einmal erwies sich die Tatsache, dass es sich um eine "rote" Folge handelt, als Garant für eine solide Qualität in Skript und Umsetzung. Francis entwarf einen Handlungsbogen, der zumindest mir aus keinem Film bekannt ist, anders wie bei den »Horror-Ameisen« oder der »Monsterspinne«, oder aber auf bekannte Sagen oder Buchvorlagen zurückgeht. Erfreulicherweise gilt dies besonders für den 1970'er-Jahre-Film »Lady Dracula«, der außer dem Aussehen von Lady Dracula und Gräfin Dracula keine weitere Schnittmenge aufweist. Das kleine Kammerspiel begleitet die vier Reisenden Angelo und Maria Menares, Amalia Rodriguez und Pedro Faria bei ihrem ungewollten Aufenthalt in dem Haus, das einst Heinrich dem Seefahrer gehörte. Die dort bereits ebenfalls unfreiwillig gestrandete Gräfin Dracula sieht in den Neuankömmlingen jedoch keine Leidensgenossen, sondern willkommene Opfer ... Die Geschichte bietet keine wirklich überraschenden Wendungen, ist aber solide konzipiert. Und mit der Spielzeit von gerade einmal 34 Minuten wird man der Geschichte auch sehr gerecht - jedenfalls um Längen überzeugender als bei den »Hörspielen mit der langen Laufzeit« von der Konkurrenz. Wollte man ein Haar in der Blutsuppe finden, so ist sicherlich zu konstatieren, dass sich Horst Stark und Gabriele Libbach von Beginn an und dann ununterbrochen in einer Art 'Sensationsmodus' befinden. Fast jeder Satz klingt dramatisch, angespannt und unheilschwanger, auch dann, wenn die Situation dies gar nicht nahelegt. Dieses Phänomen zeigt sich noch viel stärker in den sicherlich parallel entstandenen Aufnahmen der beiden zu der nächsten Folge mit der »Monsterspinne«. Überzeugender schlagen sich da die Veteranen, Katharina Brauen und Ernst von Klipstein. Vor allem Frau Brauren haucht der alten Dame sehr realistisches Leben ein. Höhepunkt der Aufnahme ist aber fraglos Marianne Kehlau, die sich hier die Seele aus dem Leib schreit - oder besser: schreien würde, wenn die Gräfin denn überhaupt eine hätte. Ein »Chapeau!« und »Merci!« an die Grande Dame der EUROPA-Hörspiele. Musikalisch profitiert die Folge von der gerade begonnenen Ära mit Musik von Carsten Bohn: eingängige, charaktervolle Nummern, klug in das Hörspiel eingebaut. Als Reminiszenz an die Produktion »Dracula - Jagd der Vampire« erhielt Gräfin Dracula das Orgelthema, welches das Hörspiel von 1970 einleitet, nun als Auftrittsmotiv. Sehr schön. Fazit: ein blutiges Filetstück für den Plattenschrank. |
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| 2. Kommentar von Christoph |
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Und auch wirft es eine grundsätzliche Frage auf: Wie in Teufels Namen ist es möglich, dass Graf Dracula eine Tochter haben kann? Sollte es vielleicht ein junges Opfer seiner nicht endenden Gier nach Blut sein? Vielleicht war dieses junge Geschöpf so liebreizend, dass er es als seine Tochter angenommen hat? Oder sollte es wirklich seine leibliche Tochter sein? Da muss Dracula ja auch eine feste Frau haben, mit der er durchs Untoten-Leben zieht. Das dürfte ja kein Problem darstellen, wird uns der unwiderstehliche Graf im Film doch stets als Womanizer vorgeführt. Gut, das wäre also geklärt. Aber Nachwuchs, so mit Baby (»Mama, Dada, Bubu ...«) und allem Drum und Dran ... Können zwei Untote, die ja prinzipiell doch eher tot als lebendig sind, etwas Lebendiges produzieren? Und wie ist das mit dem Altern? Dracula hat ja eigentlich immer das gleiche Alter. Er sieht mal besser, mal schlechter aus, je nach Blutkonsum und Qualität des Blutes. Wenn die beiden verliebten Vampire wirklich Nachwuchs hätten, wie alt wäre die Tochter des Grafen dann hier im Hörspiel beispielsweise? Doch wohl schon mehrere hundert Jahre, oder? Schluss. Aus. Ich gebe es auf. Dracula hat eine Tochter. Das ist wohl Fakt. Söhne hatte er ja auch schon. Zum Beispiel den schwulen Herbert in Roman Polanskis »Tanz der Vampire« aus dem Jahre 1967. Neun Jahre später in der französischen Komödie »Die Herren Dracula« verweigerte sein Sohn Ferdinand sogar sein Blutfläschchen - arbeitete gar später als Nachtwächter, der lichtscheue Kerl. Gut, ich hab's kapiert. Er hat eine Tochter. Wirklich. Und was für eine. Eine, mit einer dämonisch tiefen Stimme - etwa so eine, wie Marianne Kehlau sie hatte. Nein, im Ernst - die Gattin des Herrn von Klipstein legte hier wirklich eine reife Leistung hin. Verschlagen, unheimlich, dämonisch, hämisch, heimtückisch, boshaft, grausam ... und die Schreie - das alles hat sie gut hinbekommen. Draculas Tochter halt. Und wie es im Leben (wenn man das sagen darf) so spielt, ist auch bei ihr nicht immer alles glatt gegangen. Auch sie war schon mal zur falschen Zeit am falschen Ort, zum Beispiel als sie an Bord eines Schiffes eine Reise in ihre Heimat Transsylvanien tun wollte. Denn dummerweise ließen sich die Herren von der Besatzung durch ein falsches Leuchtfeuer irreführen. Das Schiff zerschellte an der portugiesischen Küste und man kann getrost annehmen, dass keiner der hinterhältigen Riffpiraten dieses Unternehmen überlebt hat - dank Lady Dracula (Ach ja, diesen dämlichen Film gab es ja auch noch ... Betrachtet man das Kinoplakat zu diesem, ist eine unverkennbare Ähnlichkeit zum Hörspielcover auch nicht zu leugnen, siehe auch unter "Randnotizen"). Draculas Tochter hatte es in diesem Falle also auch nicht leicht. Dennoch wurde sie wenigstens nicht obdachlos. Denn praktischerweise parkte an besagter Küste zufälligerweise das Haus Heinrichs des Seefahrers. In genau diesem macht es sich die Finsterfrau gemütlich und wartet ... richtig, ebenfalls auf Beute. Und genau hier setzt unser großartiges Hörspiel an: Wie das oftmals so ist bei Dracula & Co. kommen die potentiellen Blutspender in einer Kutsche daher. So auch hier. Diese ist schnell, sehr schnell und ein bisschen zu schnell für den gefährlichen Weg an der Steilküste. Der Kutscher hat sich bereits kurz vor dem Umsturz der Kutsche verabschiedet (wohl über die Klippen ins kühle Nass, he, he, he). Man kann gerade noch so aus der Kutsche kriechen und ist fortan auf sich allein gestellt. Angelo Menares und seine Frau Maria (sehr dramatisch: Horst Stark und Gabriele Libbach), Pedro Faria (wunderbar: Ernst von Klipstein) sowie Amalia Rodriguez (Küss die Hand, Katharina Brauren) suchen nun ebenfalls Zuflucht im Hause des Seefahrer-Heinrichs. Wie bereits eingangs erwähnt: nett wird es nicht für die vier Leidensgenossen und bereits kurz nach Betreten des Etablissements kommt den vier Portugiesen einiges spanisch vor (kleiner Scherz). In den wohl von Gräfin Dracula bereits umgestalteten Räumen befinden sich weder Kruzifixe noch sonst welche christlichen Symbole. Und wenn Amalia sagt: »Das ist ein unchristliches Haus«, dann trifft die den Nagel auf den Kopf. Nein, christlich geht es hier ganz und gar nicht zu und bereits das erste Zusammentreffen mit der Tochter des berühmten Beißers erhärtet wohlberechtigte Zweifel an der Wahl ihres Aufenthaltsortes. So will Pedro Faria eigentlich schon jetzt lieber den Rückwärtsgang einlegen, auch wenn der Rest der Gesellschaft der Sache noch eine Chance geben möchte. Dass man kurz drauf einen schwer Verwundeten findet, der aus Furcht vor der Gräfin fast kollabiert, sorgt auch nicht gerade für bessere Laune. Und auch wenn es die Vier noch gar nicht realisiert haben, ist an eine Flucht von diesem schauerlichen Ort schon jetzt nicht mehr zu denken. Denn die liebe Frau Dracula hat einfach alles unter ihrer Kontrolle: Haie, Möwen, Tore (die sich nicht öffnen lassen) ... einfach alles. Somit ist der Tanz eröffnet, und schon bald werden die Vier, nein, mit dem schwer Verwundeten sind es ja jetzt gar fünf, arg dezimiert. Der Verletzte, von dem man annimmt, dass er auch wahnsinnig ist, wird von den Haien gefrühstückt und die gute Amelia fällt, nachdem ihr die Möwen die Augen ausgehackt haben, ebenfalls über die Klippen in Richtung Haie. Auch die Fluchtversuche des Händlers Pedro Faria scheitern kläglich. Die ebenfalls angreifenden Möwen machen einen Kletterversuch über die Grundstücksmauer unmöglich. Auch er kommt schließlich auf grausame Weise ums Leben. Der verzweifelte Angelo und seine noch verzweifeltere Maria, die schließlich sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand stehen, müssen sich nun schnellstens etwas einfallen lassen. Und so langsam weiß man, wie man der finsteren Dame aus Transsylvanien beikommen kann. Der Glaube und alles was damit zusammenhängt kann halt nicht nur Berge versetzen. Nein, er kann auch bösartige Vampirdamen ins Jenseits (oder muss man eher sagen in Diesseits?) befördern, auf dass nichts von ihnen übrigbleibe, ausgenommen einer Handvoll Staub. Um diesen kümmert sich anschließend der frische Seewind. »Gräfin Dracula, Tochter des Bösen« ist ein super gutes und ultra spannendes Hörspiel. Recht kurz und knackig dargeboten, mit einer tollen Atmosphäre. Nichts für schwache Nerven. Und die »ab 12 Jahre«-Maßgabe von damals hatte hier schon wirklich ihren Sinn. Ich sehe fünf Mucks, an denen das Blut in Strömen herunterfließt! |
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