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Kommentar von Christoph




Ohne Frage, dieses Hörspiel von H.G. Francis lebt in erster Linie von seinen hervorragenden Sprechern, welche wohl in dieser Zusammenstellung einzigartig sind.

Bereits zu Beginn zieht einen die tiefe, jedoch dennoch äußerst angenehme Erzählstimme von Karl Walter Diess in ihren Bann. Weitere Sprecherlegenden wie (der Märchenonkel) Hans Paetsch als Dr. Stein sowie Gottfried Kramer als Graf Dracula (welcher die Stimme des Fürsten der Finsternis meiner Meinung nach wesentlich besser verkörpert als Charles Regnier in folgenden Dracula-Hörspielen) schließen sich an. Die absoluten Stars des Hörspiels sind natürlich ganz klar Brigitte Kollecker und Horst Frank in der Rolle der etwas launischen Eireen Fox und des obercoolen und überneugieren Tom Fawley (beides Reporter aus London). Habe ich erst in Nachhinein erfahren, dass beide mal ein Ehepaar waren, so hat mich das eigentlich gar nicht verwundert, so perfekt und liebevoll sind doch die Dialoge gesprochen.

»Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten«, das erste Hörspiel der Serie, welches ich mir damals als etwa 10-jähriger Junge auf LP zugelegt hatte, war zunächst eine Enttäuschung für mich, wollte ich doch Grusel, Schauer und ein wenig mehr Action. Dieses Hörspiel verfügt jedoch über andere und (wie ich finde) wesentlich wertvollere Qualitäten. Es sind vor allem die genialen Dialoge sowie die sich nach und nach immer weiter aufbauende Atmosphäre, die einem erst bei weiteren Hördurchläufen so richtig bewusst werden. Obwohl die Beschreibungen oft nur minimalistisch ausfallen, entsteht doch ein großartiges Kopf-Kino, sodass man sich die Orte der Handlungen nur allzu genau vorstellen kann - man ist praktisch live dabei, wenn Tom und Eireen über den Schlosshof schreiten oder eine geheimnisvolle Treppe hinabsteigen.

Worum es geht:

Die beiden Londoner Reporter Eireen Fox und Tom Fawley werden während ihres Aufenthalts in einem transsilvanischen Gasthaus Zeuge eines tödlichen Fenstersturzes. Fehlen dem Toten kurz nach dem Aufschlag bald schon eine Hand sowie gar der Kopf, so ist dieser am folgenden Morgen seltsamerweise gänzlich verschwunden. Der zutiefst pessimistische Gastwirt (herrlich gesprochen von Benno Sterzenbach) macht dem Paar klar, in welchem Land sie sich befinden und wer hier das Sagen hat. Auch wenn er den beiden dringend von einem Besuch in Draculas Schloss (Mordabrunn) abrät, so lassen sich Eireen und Tom nicht beirren und starten in Richtung des blutsaugenden Wiedergängers. Praktischerweise lebt doch auch zufällig noch Dr. Stein (gemeint ist natürlich Frankenstein) zusammen mit seiner total durchgeknallten Assistentin Frau Dr. Finistra (ebenfalls Klasse Jo Wegener), den man sowieso zwecks eines erweiterten Interviews aufsuchen wollte. Dass es bei einer Zusammenkunft Dracula, Frankenstein und Co. nicht bei einem gemütlichen Kaffeekränzchen bleiben kann, dürfte wohl klar sein. Bereits nach kurzer Zeit überschlagen sich die Ereignisse und vor allem Eireen wünscht sich fortan nichts anderes, als Schloss Mordabrunn so schnell als möglich wieder zu verlassen.

Alles in allem ein hervorragendes Hörspiel mit viel Charme und einer Portion Humor, welches ich mir von Zeit zu Zeit immer wieder mal sehr gerne anhöre. Ein großes Kompliment an die Macher von damals.

Bleibt lediglich die Frage, warum es den deutschen Arzt und Forscher Dr. Frankenstein nach Transsylvanien (Rumänien) verschlagen hat. Musste er fliehen oder waren die Bedingungen für seine Forschungsarbeiten hinter dem Eisernen Vorhang vielleicht einfach besser? Was für ein Zufall, dass man im Schloss Mordabrunn, auf welches man von Dr. Stein eingeladen wurde, gleichzeitig auch auf Graf Dracula stößt, den man ja eigentlich gar nicht finden sollte - jedenfalls wenn es nach dem Gastwirt ging. Warum ist auch Dracula fernab seiner Heimat Schloss Bran? Musste auch er fliehen? Ging es vielleicht um Steuervorteile oder wollte man nur eine zünftige WG gründen? Fragen, die uns wohl niemals jemand beantworten wird.

Was bleibt ist ein tolles Hörspiel, welches natürlich die maximale Muckzahl verdient hat.





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