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Der Ritter vom See




Kommentar von Pitichinaccio




Offenbar ist Lanzelot nicht der Einzige, der Stimmen in geschlossenen Räumen hört und so vor Fehlent­scheidungen gewarnt wird. Denn als ich seinerzeit kurz nach der Veröffentlichung dieses Zweiteilers die erste Folge im Schallplattengeschäft meines Vertrauens in den Händen hielt, warnte auch mich eine innere Stimme vor dem Kauf. Irgendetwas sagte mir, dass mir das Hörspiel nicht gefallen würde, und so steckte ich die LP zurück ins Regal.

Zugegeben, Rittergeschichten - und dann noch mit märchenhaften Elementen - waren nie wirklich mein Fall gewesen. Feen, Elfen, Gnome und dieses ganze Kroppzeug, das sich ständig in die Schicksale der Menschen einmischt, fand ich immer schon höchst albern. Wenn ich eine Fee wäre, wüsste ich jedenfalls Besseres mit meiner Zeit anzufangen. Und als ich Jahrzehnte später die beiden »Lanzelot«-Folgen auf dem Flohmarkt entdeckte und dann doch mitnahm, bestätigte sich die Warnung meiner inneren Stimme aus dem Jahr 1977: Was für eine langweilige und bisweilen fast kindische Geschichte! Eine Erzählung aus dem Kreis der Artussagen hatte ich mir nun wirklich um einige Nummern dramatischer und heroischer vorgestellt.

Eine Riesenschildkröte, eine Fee, die völlig unklare Motive verfolgt, ein erster Ritter, der sich nicht entscheiden kann, ob er ein Held oder ein Volltrottel ist, eine gnatterige Sumpfhexe, die sich als Mutter der Riesenschildkröte entpuppt (Wie bitte?), dann ein zweiter Ritter, dessen Gebaren und Gesang an Krümelmonster aus der »Sesamstraße« erinnern, ein Schloss aus Milch- und Fleischprodukten (Also, mal ehrlich ...) und schließlich ein recht erfolgloser Drache dominieren diesen ersten Teil. Also, wenn König Arthurs Tafelrunde aus solchen oder auch nur ähnlichen Gestalten bestand, wurde dieses Gremium gnadenlos überbewertet ...

Natürlich sind all jene Figuren dem Grunde nach Archetypen der Sagenwelt, aber hier werden Lanzelots Erlebnisse mit diesen seltsamen Vögeln so belanglos hintereinander gehängt, dass man sich als Hörer fragt, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Ja, klar, im Ergebnis nach Camelot, ich weiß, aber warum erzählt ihr mir das alles? Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr vorgreifen, aber vielleicht wäre es angezeigt gewesen, auf die Schildkröteneinlage zu Gunsten der am Ende des Zweiteilers plötzlich stattfindenden Massenerlösung zu verzichten.

Rüdiger Schulzki gibt hier sein EUROPA-Debüt, und er kommt auch ganz sympathisch rüber. Aber die anderen Rollen sind so seltsam angelegt, dass auch Stefan Schwade (Borjes), Reiner Brönneke (Herr Gawan) und Lothar Grützner (Gwendap) nicht viel retten können. Nebenbei: Das Lied, welches der alte Gwendap singt, ist dem Text nach ja wohl sowas von aus dem Märchen »Der Froschkönig« abgekupfert:







Was soll denn sowas? Zumal die beiden letzten Zeilen sowohl bei den Gebrüdern Grimm als auch bei der Rap-Version des alten Gwendap inhaltlich und in Bezug auf den Reim etwas gezwungen wirken. Und so ergibt es sich, dass der Hörer zu der Überzeugung kommt:





Naja ... nach gut 31 Minuten ist der ganze Zauber vorüber: Lanzelot weiß jetzt, wie er richtig heißt (Wusste man gleich, steht ja auf dem Cover ...), und weiter geht's nach Camelot. Bleibt nur zu hoffen, dass da ein paar vernünftigere Märchenfiguren wohnen. So geht das jedenfalls nicht weiter ...





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