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115 602.0 |
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| Kommentar von Pitichinaccio |
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Gutes Script. Gute Sprecher. Gute Musik. Und doch ... 1977, also im gleichen Jahr wie sein inhaltlicher Vorgänger »20 000 Meilen unter dem Meer«, erschien »Die geheimnisvolle Insel«, basierend auf dem gleichnamigen dreibändigen Werk Jules Vernes als EUROPA-Hörspiel. Auch, wenn die Produktion sicherlich zu den Guten im Katalog gehört, so erreicht sie in meinen Ohren nicht mehr ganz den Standard der ersten Erzählung um Kapitän Nemo. Außer Horst Frank, der wieder die gewohnte Rolle des geheimnisvollen Kapitäns übernimmt, erwartet den Hörer eine komplett andere Sprecherriege, was angesichts der eigenständigen Handlung mit gänzlich anderen Personen nicht überraschen sollte. Ein merklicher Unterschied ist jedoch, dass H.G. Francis bei diesem Abenteuer einen Erzähler in die Hörspielfassung schrieb, welcher bei »20 000 Meilen unter dem Meer« fehlt. Hans Paetsch ist natürlich in seiner Funktion über jeden Zweifel erhaben, allerdings wirkt die Geschichte eben "erzählter" und nicht so unmittelbar wie ihr Vorgänger. Auch das übrige Ensemble ist tadellos. Gerd Martienzen als Cyrus Smith hat, abgesehen von »Frankensteins Sohn«, endlich mal eine tragende Rolle in einer EUROPA-Produktion und schlägt sich selbstverständlich hervorragend. Aber auch die Begleiter des souveränen Ingenieurs haben in Lothar Grützner (Diener Nab), Reiner Brönneke (sehr passend besetzt als Seemann Mr. Penncroff), Gernot Endemann (Gideon Spilett) und Stephan Chrzescinski (Harbert) tadellose Interpreten. Musikalisch bediente man sich fast ausschließlich bei der guten alten Chris-Evans-Hörspielmusik, die klug ausgesucht und eingesetzt wurde. Wie bei »20 000 Meilen unter dem Meer« griff man an insgesamt drei Stellen aber auch auf Ernest Chaussons symphonische Dichtung »Viviane« zurück. Besonders in der Szene, in der die fünf Insulaner realisieren, dass der Vulkan ausbrechen wird und sie sich auf das Schiff flüchten müssen, bewährt sich der Einsatz von Monsieur Chaussons musikalischer Perle enorm. In die dramatische Steigerung der Musik mischt sich auf den Punkt der erste starke Vulkanausbruch - wirklich, genial gelöst. Und doch gibt es leichte Einschränkungen. Zu allererst sei hier der Klappentext genannt, welcher mir schon direkt nach dem Kauf der LP - ich sehe mich noch in Hamburg von dem großen Spielzeuggeschäft Zars in der Osterstraße zum Bus gehen - die erste Freude verdarb: Da rätseln also die Gestrandeten zwei LP-Seiten lang, wer ihnen immer wieder unerkannt zu Hilfe kommt, dann offenbart der Text auf dem Rückcover ganz beiläufig, dass ein Mann aus dem »Dunkel der Vergangenheit« auftaucht, »den man schon fast vergessen hatte ...« und wenige Zeilen darunter folgt die sehr übersichtliche Besetzungsliste, in der auch Kapitän Nemo erscheint. Im Grunde hätte man die Platte gleich wieder zurückbringen können. Hinzu tritt, dass Verne im Aufbau der Geschichte in meinen Augen einfach an einen Erfolg anknüpft, ohne wirklich Neues zu bringen. Zum einen suggeriert der Schluss von »20 000 Meilen unter dem Meer«, dass Kapitän Nemo, seiner Jagd überdrüssig, den Freitod wählt - was der Erzählung auch irgendwie angemessen ist. Und dann - PLOPP - ist er wieder da und taucht zudem erst am Schluss der vorliegenden Geschichte aus dem Nichts auf ... in der Funktion des geheimnisvollen Retters, der auch sonst wer hätte sein können. Außerdem fehlt (im Ergebnis: erfreulicherweise) im Hörspiel die Bezugnahme auf »Die Kinder des Käpt'n Grant«. In der Buchvorlage treffen die Gestrandeten ja noch auf Gauner Ayrton, der auf eine der Nachbarinseln verbannt wurde, sowie Robert Grant, der den verbannten Straftäter von seinem Inseldasein erlösen möchte. Fehlt eigentlich nur noch, dass im Inseldschungel ein Stahlelefant gesichtet wird, der in 80 Tagen wieder zurück in Indien sein muss. Nein, wirklich, da hatten die »20 000 Meilen unter dem Meer« doch etwas mehr Tiefgang (geniales Wortspiel, entstand allerdings wirklich gerade zufällig). Die kleinen Fehler kann man durchwinken: Einmal berichtet Cyrus Smith von dem Angriff der Piraten, den er gar nicht miterlebt hat (»Da kam das Schiff! ...«). Hier liegt das Versehen entweder bei Herrn Francis oder Frau Körting. Außerdem beginnt diese Geschichte im Jahr 1865, und auch, wenn sich die Ereignisse über Monate hinziehen mögen, so ist es doch ausgeschlossen, dass Mr. Smith um das Buch weiß, das Professor Aronnax über seine Erlebnisse an Bord der »Nautilus« im Jahr 1867 verfasst hat. Dieser Fehler ist allerdings ein Versehen des Autors. Also gut: Das Niveau des Vorgängers wird hier nicht mehr erreicht, aber alles in allem ist »Die geheimnisvolle Insel« eine durchaus gelungene Produktion. Vor allem Gerd Martienzen und »Viviane« sind mir von Anfang an in sehr positiver Erinnerung geblieben ... |
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