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Kommentar von Carl Mai




Zur Buchvorlage

Karl Mays Erzählung »Aus der Mappe eines Vielgereisten. Von Karl May. Nr. 2. Old Firehand« erschien erstmals 1875 in der Zeitung »Deutsches Familienblatt«. 1885 folgte eine Veröffentlichung als »Old Firehand« in der Zeitschrift »Im Familienkreise« sowie 1885/1886 in der Zeitschriftenbeilage »Feierstunden im häuslichen Kreise«. 1879 bearbeitete May den Text für die erste Buchausgabe eines seiner Texte, das Jugendbuch »Im fernen Westen. Zwei Erzählungen aus dem Indianerleben für die Jugend«. Bei dieser Bearbeitung wurde aus dem jungen Mädchen Ellen, in das sich der Ich-Erzähler (hier noch nicht Old Shatterhand) verliebt, der Junge Harry. 1893 nahm Karl May diese bearbeitete Fassung als Old-Firehand-Abenteuer in die Buchausgabe von »Winnetou II« auf. Die Episode des Eisenbahnüberfalls wurde für den Roman gestrichen. Stattdessen planen die Indianer einen Überfall auf das Fort.

Zum Inhalt: Der Ich-Erzähler - ein namenloser Westmann - reitet auf der Suche nach der Öl-Ansiedlung New Venango durch die Prärie. Er trifft auf die junge Ellen, die aus der Siedlung stammt und ihn dorthin begleitet. Sie berichtet, dass ihr Vater ein Deutscher ist, ihre Mutter aber eine Indianerin war und dass Emery Forster (der »Ölprinz«) ihr Onkel sei. In der Siedlung angekommen, will Forster das Pferd des Westmanns - Swallow - kaufen. Als der Ich-Erzähler das verweigert, wird er von Forster beleidigt. Später belauscht der Erzähler zufällig ein Gespräch zwischen Forster und Ellen, aus dem hervorgeht, dass Forster Öl ablaufen lässt, um die Preise zu erhöhen. In diesem Moment stößt der Bohrer auf Öl, das sich entzündet. Während das ganze Tal in Flammen aufgeht, zieht der Erzähler Ellen auf sein Pferd und kann mit ihr dem Inferno entgehen. Ellen macht ihm anschließend Vorwürfe, da sie glaubt, dass er alle Bewohner New Venangos hätte retten können. Sie rennt davon.

Einige Zeit später erfahren Winnetou und der Ich-Erzähler von einem geplanten Indianerüberfall auf eine Eisenbahnlinie. Es gelingt ihnen, die Zugbesatzung zu warnen. In der Bahn befindet sich auch Old Firehand, ein Freund Winnetous. Der Überfall kann verhindert werden, und es gelingt dem Ich-Erzähler darüber hinaus auch, Parranoh, den Anführer der Indianer, zu überwältigen. Auf diesen hatten es Winnetou und Old Firehand besonders abgesehen. Nach diesen Erlebnissen machen die Gefährten sich auf den Weg zu Old Firehands Hide-spot. Hier erfährt der Erzähler von Old Firehand, dass Winnetou einst eine Indianerin namens Ribanna liebte. Diese nahm aber Old Firehand zum Mann. Ribanna wurde von Parranoh ermordet, der eigentlich ein Weißer ist und Tim Finnetey heißt. Ellen ist die Tochter Ribannas und Old Firehands.

In Old Firehands "Festung" angekommen, trifft der Erzähler Ellen wieder. Bei der Kontrolle von Biberfallen bemerken die Jäger Indianer, die sich in der Nähe der "Festung" aufhalten. Offensichtlich gehört auch Parranoh dazu, den sie doch tot glaubten. Nach mehreren Kämpfen und Gefangennahmen wird die Gesellschaft Old Firehands von den Ogellallahs in der Festung überfallen. Am Ende sind Winnetou, Sam Hawkens, Miss Ellen und der Erzähler gefangen; Old Firehand, Dick Stone, Will Parker, Bill Bulcher und Harry Kroner tot. Dem Ich-Erzähler gelingt es, sich und die übrigen Überlebenden zu befreien. Bei der Verfolgung stirbt Tim Finnetey von Winnetous Hand. Trotzdem scheint die Lage aussichtslos, bis ein Trupp Dragoner von Wilkes Fort zu ihnen stößt. Die Ogellallahs fliehen. Der Ich-Erzähler und Ellen finden zueinander.



Mein Kommentar

Auf der Rückseite der Hörspiel-LP findet sich der Hinweis:




Die Hörspielbearbeitung basiert auf der Urfassung der Erzählung »Old Firehand«, der ersten großen Indianergeschichte Karl Mays, die er 1875 schrieb. Später greift er in seinem »Winnetou-Zyklus« die »Old Firehand«-Geschichte noch einmal auf. Entgegen der Urfassung tritt dort an die Stelle des Mädchens "Ellen" Old Firehands Sohn "Harry".



Mit der Klarstellung, dass die Erzählung von Karl May bereits in »Winnetou II« - nämlich auf den Hörspielen »Winnetou II, 1. Folge« und »Winnetou II, 2. Folge« - vollständig verarbeitet worden war und dem Umstand, dass bei EUROPA die »Winnetou«-Trilogie bereits 1968 als Hörspiel umgesetzt worden war, verdeutlichte EUROPA, dass man hier einen bereits zum Hörspiel verarbeiteten Stoff zum zweiten Mal präsentierte. Der Hinweis, dass aus "Ellen" ein "Harry" wurde, sollte wohl verdeutlichen, dass die Geschichten und damit auch die Hörspielfassungen zumindest kleine Alleinstellungsmerkmale haben.

Dass es sich um eine sehr frühe Fassung einer Erzählung Karl Mays handelt, erkennt man zum Beispiel daran, dass Winnetou über den »Pfad des Feuerrosses« Erstaunen äußert, während er den Bau der Eisenbahn doch in »Winnetou I« doch bei der ersten Begegnung mit Old Shatterhand schon miterlebt hat.

Da EUROPA aus dem namenlosen Ich-Erzähler die Figur des Old Shatterhand machte, ähneln sich die die Hörspiele von 1968 und 1975 dann dennoch wieder allzu sehr; ja, sind in Teilen wortgleich. Geschickter wäre wohl gewesen, statt als Old Shatterhand (Trixner) die Geschichte beispielsweise von Hans Paetsch erzählen zu lassen, um sich insgesamt von der Erstumsetzung besser abzusetzen. Vor allen Dingen kürzte Peter Folken als Verantwortlicher für die Hörspielbearbeitung genau wie in seiner Umsetzung von 1968 den Schluss und ließ wiederum die Gefangennahme der Freunde durch die Ponkas samt der finalen Flucht fort, sodass eine weitere Parallele zwischen beiden Versionen entstand. Und selbstverständlich wurde hier Old Firehand nicht wie in der Textvorlage von den Indianern ermordet. Es sollte ja noch ein zweiter Teil folgen!

In der Sprecherauswahl hielt man sich genau an die Zusammensetzung des »Shatterhand«-Zweiteilers, wobei Karin Lieneweg als Ellen als einzige weibliche Rolle hinzukam. Franz-Josef Steffens trat die Nachfolge von Benno Gellenbeck an, der mit Heldenstimme den Old Firehand in der »Winnetou«-Trilogie und dem »Silbersee«-Zweiteiler gesprochen hatte. Gellenbeck war 1974 verstorben. Steffens hatte im »Old Shatterhand« dem Westmann Sans-Ear die Stimme geliehen, und so ergab es sich, dass hier neben Trixner als Old Shatterhand verwirrenderweise wieder dasselbe Westmann-Sprechergespann zu hören war.

Horst Breiter wirkt als Bösewicht Emery Forster viel zu sanft; beim Einsetzen der Explosionen sogar hysterisch. Leider klingt auch Konrad Halver in seiner Paraderolle als Winnetou viel zu kriegerisch und redeselig und nicht so edel wie in seinen »Winnetou«-Auftritten in den 1968er-Hörspielen. Ernst von Klipstein hat als Sam Hawkens so gar nichts Kauziges an sich. Die Figur des Parranoh / Tim Finnetey war schon in der Vertonung von 1968 äußerst dünn ausgestaltet worden. Hier kam sie nun gar nicht mehr als Sprecherrolle vor. Die Schlussmusik klingt nach dem Sieg der "Guten" über die "Bösen" viel zu dramatisch und nicht spannungsauflösend.

Fazit: Hierbei handelt sich im Hörspielprogramm von EUROPA wohl um die erste Zweitumsetzung eines literarischen Stoffs, die aber trotz des größeren zeitlichen Umfangs einer ganzen LP kaum mehr aus der Literaturvorlage herausholt als die Erstumsetzung.





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