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E 2074 |
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| Kommentar von Pitichinaccio |
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Nun, dieser einleitende Satz macht dem Leser, beziehungsweise: eigentlich dem Hörer, sofort klar, in welchem Jahrzehnt wir uns befinden: Es sind die 1970'er Jahre mit Sex, Drugs and Rock 'n' Roll. Und in der Tat entführt die zweite Geschichte den kleinen Eberhard-Alexander-Burgh-Hörer zumindest in den Dunstkreis dieser Atmosphäre, doch dazu später. Das gerade einmal dreißigminütige Hörspiel beginnt mit den einleitenden Worten des Meisterdetektivs, der den Hörer zum Mitraten einlädt. Der erste Fall ergibt sich aus einem Auftrag Lord Candelights, mit dem er Hieronymus Neunmalklug als Bewacher eines goldenen Eis engagieren möchte. Der Meisterdetektiv begibt sich also auf das Schloss seines Auftraggebers, um dort die Nacht zu verbringen. Natürlich wird das Kleinod gestohlen, und es liegt an Mr. Neunmalklug, das »Ei des Kolumbus« wiederzubeschaffen. Hans Clarin legt die Titelrolle dabei fast seriös an, was dem Wortwitz Burghs gekonnt in die Hände spielt. Auch wenn mit den drei Schlossbewohnern der Kreis der Verdächtigen nicht gerade groß ist, so liefern die Sprecher ein atmosphärisches Kammerspiel. Die Szenerie eines alten, englischen Schlosses ist durchaus zu spüren, und neben Butler Jones, der dank Bernd Kreibich ebenso blasiert wie ordinär sein kann, besticht vor allem Ernst von Klipstein in seinem ersten EUROPA-Jahr durch ein durch und durch aristokratisches Auftreten. Reinhilt Schneider hat - zum Bedauern des Kommentators - als Miss Sandy nur einen kleinen Auftritt. In der Rückschau ist es fast verblüffend, wie unterhaltsam die erste LP-Seite durch nur vier Personen bestritten wird. Klar, mit knapp 17 Minuten Spieldauer ist sie nicht gerade lang, aber jeder Hörspielhörer wird das unangenehme Gefühl kennen, in einer Produktion festzustecken, in der einfach zu viel geredet wird und zu wenig passiert. Dies begegnet einem hier erfreulicherweise ganz und gar nicht. Sehr schön sind die Geräusche ausgewählt, welche neben der Autofahrt bei Gewitter ebenfalls die bereits erwähnte Atmosphäre auf dem Schloss unterstützen. Und auch die eingesetzte Musik, von Hieronymus Neunmalklug als »Kriminalmusik« bezeichnet, ist ein netter Akzent in der Produktion, zumal sie außer bei den Hörspielen »Polizeihubschrauber im Einsatz« (dort in der Geschichte »Schmuggel im Hafen«) und »Das kleine Monster« keine weitere Verwendung fand. Nicht verstanden hatte ich lediglich Mr. Neunmalklugs Erklärung, sein Wagen würde auf »vier unbezahlten Wechseln« laufen. Wie sollte das denn anstatt von Reifen funktionieren? Da merkt man eben doch, dass bei aller Einfühlsamkeit hier Erwachsene für Kinder schreiben. Die zweite Seite beginnt dann mit der Auflösung des ersten Falles, um nahtlos in den zweiten Fall mit dem »Automarder« überzugehen. Mr. Smith, der von dem Meisterdetektiv den Diebstahl seines Wagens aufgeklärt wissen möchte, verfolgt gemeinsam mit dem Privatermittler den bis hier unerkannten Täter bis in eine volle Kneipe, in der es nun den Schuldigen unter den Gästen herauszufinden gilt. Neben einem Schläger, dem sie auf der Straße begegnen (Andreas von der Meden als Prototyp eines Skinny Norris), sind es vor allem Gelegenheits-Eddy (Jörgpeter Ahlers) und Blacky (Bernd Kreibich), die unter Verdacht stehen. Alle drei Sprecher machen ihre Sache ausgezeichnet und klingen überzeugend szenenah. Eindrucksvolle Wirtin des Etablissements ist Sugar Baby, die Hella von der Osten-Sacken großartig vulgär anlegt. Ebenso wie die Atmosphäre auf Schloss Candelight gerät daher auch hier das Ambiente vorbildlich. Vor allem ein kleiner Hörer wie ich sah die verräucherte Spelunke mit all den gefährlichen langhaarigen Lederjackenträgern direkt vor sich. Wie bereits gesagt: siebziger Jahre pur. Auch hier bildet die Musik, unter anderem die wummernden Bässe der Musicbox, einen grandiosen Rahmen für die Geschichte. Und es sollte um die 40 Jahre dauern, bis der Song »Hey Teeny«, der ja für die Auflösung des Falles nicht ganz unwichtig ist, im Miller-Archiv entdeckt werden konnte. Wer sich das Stück einmal in Gänze anhören möchte, dem sei folgende LP ans Herz gelegt:
Sicherlich ist zunächst Eberhard Alexander-Burgh für das augenzwinkernde Fundament der Produktion zu danken, aber zweifelsohne hat Heikedine Körting mit ihrer sorgfältigen Umsetzung einen genauso großen Anteil an der Gefälligkeit dieser Aufnahme. Das einzige Rätsel, welches auch Hieronymus Neunmalklug nicht lösen konnte, ist die Frage, warum es bei einem einzigen Hörspiel um den Meisterdetektiv blieb. Hier stimmt wirklich alles, und im Gegensatz zu den oft gequält wirkenden Fortsetzungen der Reihen »Hui Buh das Schlossgespenst« und »Die Hexe Schrumpeldei« lud das Konzept einzelner zu lösender Kriminalfälle mit wechselnden Personen und verschiedenen Schauplätzen doch geradezu zu weiteren Teilen ein ... Schade eigentlich. Fazit: Ein echter Burgh mit pfiffigen Texten in einer gelungenen Umsetzung. |
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