E 2072
Schrumpeldei und Schrumpelmei
mit neuen Hexereien




Kommentar von Pitichinaccio





»Ja ja, die guten alten Zeiten sind ein für allemal vorbei und kommen nie, nie wieder.«

(Hexe Schrumpeldei)




Es ist wohl immer so, dass die ältere Generation in Erinnerung an die Vergangenheit meint, früher sei alles besser gewesen ... und zum Teil mag das auch stimmen. Auch die Hexe Schrumpeldei beugt sich nur ungern der modernen Technik, akzeptiert jedoch die Existenz und die Vorteile von Fernsehen und Staubsauger.

Apropos ältere Generation: Dieses Mal hatte sich meine Familie verrechnet, und die Hexe Schrumpeldei machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Das scheinbar eherne Gesetz, dass der Junge stets zunächst den zweiten Teil einer Hörspielreihe erhielt, bevor er den ersten hören durfte, wurde hier zwar auch eingehalten, aber das erste Mal baute ein zweiter Teil nicht inhaltlich auf dem ersten auf, sodass ich ohne Weiteres imstande war, die Geschichte auch ohne die Erlebnisse in Bummelshausen zu verstehen.

So begann mein Einstieg in diese Serie also mit Schrumpelmeis hilflosen Versuchen, dem armen Bodo das Pech wegzuhexen. Durch ihr Eingreifen machte sie jedoch alles nur noch schlimmer, denn Bodo hatte kein Pech, sondern war selbst für seine scheinbaren Missgeschicke verantwortlich. Aufgedeckt wird dies erst durch die alte Schrumpeldei, welche Bodo zwar Hexentropfen zaubert, aber ihn ganz nebenbei verstehen lässt, dass er sich einfach ändern muss. Die Tropfen waren nur Hexenplacebos.

Eberhard Alexander-Burgh verpackte hier die Themen Einsicht und Verantwortung wie immer geschickt und unterhaltsam - nun, das Hörspiel stammt auch aus der Blütezeit seines Schaffens, finde ich. Allerdings war diese Geschichte auch schon die letzte der Reihe, in der Schrumpelmeis mangelnde Hexenkünste noch unterhaltsam waren. Lief hier die Lösung der Geschichte darauf hinaus, dass es eigentlich gar nichts zu hexen gab, so verloren sich die dann folgenden Episoden in dem Konstrukt, dass Schrumpelmei einfach miserabel hexte und ihre Mutter alles wieder richten musste.

Auch Folge (1), in der Schrumpelmei nicht einmal eine tragende Rolle spielt, präsentiert mit den vermeintlichen Hexenbonbons, welche aus den faulen Bummelshausenern fleißige Bürger macht, zwar eine ähnliche Lösung wie die vorliegende Geschichte, aber bietet eben noch einen ganz individuellen und originellen Handlungsstrang. So kommt es, dass die ersten beiden Folgen für mich nach wie vor die besten der Reihe sind, und ab Folge (3) ein etwas enttäuschender Gewöhnungseffekt einsetzt.

Gleichwohl blieben Marga Maasberg und Reinhilt Schneider eine Idealbesetzung. Vor allem Marga Maasberg war die Rolle der hilfsbereiten, aber doch immer noch etwas unheimlichen Hexe auf den Leib geschrieben. Auf jeden Fall war es klug, nach ihrem Tod im Jahr 1981 nicht nach einer Nachfolgerin Ausschau zu halten. Frau Maasberg war eine Besetzung der allerersten EUROPA-Hörspielstunde von 1966 und hielt dem Label erfreulicherweise über 14 Jahre die Treue. Sieglinde Dziallas, Andreas Beurmann, Konrad Halver, Dagmar von Kurmin und Heikedine Körting setzten sie ein ... und ich kann mich beim besten Willen an keinen Aussetzer erinnern.

Bleibt zu erwähnen, dass die Cover von Hans Möller natürlich immer einen ungeheuren Reiz auf mich ausübten, auch bei den höheren Folgen. Sicher war es ebenso ihm und seinem Talent zu verdanken, dass sich »Hui Buh« und »Die Hexe Schrumpeldei« so lange im EUROPA-Programm halten konnten.





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