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Bei diesem Hörspiel handelt es sich um den zweiten Teil von »Langohr, Schlappohr und Stummelschwänzchen«. Zwischen
beiden Teilen liegen zwei Jahre, und das schlägt sich leider in jedem Detail nieder. Obwohl beide Hörspiele aus der
Feder Heikedine Körtings stammen, könnten sie unterschiedlicher nicht sein.
Von der atmosphärischen Umsetzung des ersten Teils ist nichts mehr geblieben, und auch die Charaktere sind bei Weitem
nicht mehr so sympathisch. Die putzigen kleinen Hasenkinder (welche auch sprechertechnisch im ersten Teil deutlich
jünger waren) haben sich in eine vorpubertäre Hasenbrut verwandelt. Vater Langohr wird nicht mehr erwähnt
(wahrscheinlich ist es doch noch zu einer Scheidung gekommen), und auf eine durchgängige Handlung wurde zugunsten
einzelner, ziemlich belangloser Geschichten verzichtet. Einzig Stummelschwänzchen kommt jetzt endlich zu seinem Recht,
eine Hauptrolle ausfüllen zu dürfen. In der ersten Folge erschien er zwar ebenfalls im Titel (was auf eine größere
Rolle schließen ließ), ging aber in der Masse der anderen Kinder unter.
Unglücklicherweise wird schnell klar, dass man lieber ein anderes Hasenkind für diese Hauptrolle ausgewählt hätte.
Stummelschwänzchens renitente Ader geht nicht nur seinem direkten Hasenumfeld, sämtlichen anderen Tieren des Waldes,
sondern auch dem Hörer gehörig auf die Nerven. Der Beweis hierfür wird gleich in der ersten Geschichte geliefert, in
der Stummelschwänzchen die Schule schwänzt und einen chilligen Tag mit den Waldtieren verbringen möchte. Doch schon
recht bald muss er feststellen, dass das Leben kein Ponyhof ist und die Schule schon ihren Sinn hat. Ist man hier
zumindest noch um eine moralische Botschaft bemüht, so vermittelt uns die zweite Seite eher wenig, denn sie beschert
uns Einblicke in den Hasenunterricht. Dieser unterscheidet sich kaum von dem Unterricht der Menschen - wahrscheinlich
deshalb, um die Identifikation mit den Häschen zu steigern. Allerdings wird das Gegenteil erreicht, denn der
Hasenunterricht entpuppt sich als genauso langweilig wie es zuweilen der Menschenunterricht sein kann.
Zugegeben, es handelt sich hierbei um ein Kinderhörspiel, aber selbst Vorschulkindern kann man sicherlich mehr
zutrauen als »Punkt-Punkt-Komma-Strich, fertig ist das Hasengesicht«. Einzig die abschließende Verfolgungsjagd zwischen
Stummelschwänzchen und dem Fuchs vermag einen Hauch von Spannung zu erzeugen.
Die Sprecher machen zwar das Beste aus ihren Rollen, können diese Produktion aber auch nicht mehr retten. Positiv zu
erwähnen wären Stephan Chrzescinski als zuerst naives und später altkluges Stummelschwänzchen und Ingeburg Kanstein als
eine energischere und weniger nervöse Mümmi Schlappohr als es Dagmar von Kurmin im ersten Teil war. Andreas von der
Meden kann in seinem Bemühen, den Lehrer und den Fuchs unter einen Hut zu bekommen, nicht ganz überzeugen. Und Peter
Kirchberger ist zwar ein großartiger Sprecher, aber, man muss es leider sagen, kein besonders guter Erzähler. Sein
Erzählstil erinnert manchmal zu sehr an einen Nachrichtensprecher.
Fazit: Zu viele Hasen sind des Hörers Tod.
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