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E 2038 |
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| Der Geist des Llano Estacado |
| Kommentar von Carl Mai |
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| Zur Buchvorlage |
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Karl Mays Jugenderzählung »Der Geist der Llano Estakata« erschien 1888 zunächst in Fortsetzungen in einer Zeitschrift. Für die Buchausgabe wurde 1890 der falsch geschriebene Titel in »Der Geist des Llano Estakado« berichtigt und der Text geringfügig gekürzt. Die Buchfassung trug den Titel »Die Helden des Westens« und enthielt neben »Der Geist des Llano Estakado« an erster Stelle auch die Jugenderzählung »Der Sohn des Bärenjägers«. Der Verleger schlug May vor, beide Erzählungen zu einer zusammenzuführen, worauf May jedoch nicht einging. Karl May setzte die beiden Erzählungen jedoch nachträglich zueinander in Bezug. 1914 übernahm der Karl-May-Verlag diese Konstellation für Band 35 seiner Reihe und betitelte das Ganze als »Unter Geiern«. Der Llano Estacado, eine unwirtliche Region im südöstlichen Teil von New Mexico und nordwestlichen Teil von Texas, wird von einer Verbrecherbande, den "Geiern", unsicher gemacht. Die Bandenmitglieder versetzen Pfähle, die als Wegmarkierung dienen, um Reisende ins Verderben zu führen und dann zu berauben. Bloody Fox, ein Jugendlicher, der einst schwer verwundet einen Überfall der "Geier" überlebte, hat sich zur Aufgabe gemacht, den Banditen das Handwerk zu legen und auf diese Weise seine Eltern zu rächen, die beim erwähnten Überfall ums Leben gekommen sind. Auf einem Ritt treffen Hobble-Frank und Bob auf Bloody Fox, der sie zu Helmers Home, einer Ansiedlung am Rande des Llano Estacado, begleitet. Dort eingetroffen, gesellen sich nach und nach merkwürdige Gäste hinzu: Zunächst der verdächtige Mormone Tobias Preisegott Burton; später ein Mann, der sich als Llano-Geier herausstellt. Bloody Fox duelliert sich mit diesem und tötet ihn auf charakteristische Weise durch einen Schuss mitten in die Stirn. Helmers erhält indes die Nachricht, dass wieder ein Auswanderertreck durch Llano-Geier überfallen werden soll. Aus den verschiedensten Richtungen treffen nun im Llano Westmänner ein. Es handelt sich dabei um Winnetou und Old Shatterhand, die zuvor erwähnten Gefährten Hobble-Frank und Bob, der lange Davy und der dicke Jemmy sowie die beiden Snuffles. Nach und nach treffen sie aufeinander und schließen sich zusammen, um vereint gegen die Pfahlmänner vorzugehen. Hilfe erhalten sie dabei durch den Komantschen Eisenherz, der den Tod seines Vaters rächen will, sowie durch den in ein weißes Büffelfell gehüllten "Geist des Llano". Es stellt sich heraus, dass Bloody Fox unter der Maske des Geistes agiert und über eine Oase mitten im Llano Estacado verfügt, von wo er seine Schutz- und Racheaktionen durchführt. Die "Geier" werden von der inzwischen ansehnlichen Schar von Gefährten unter Leitung Old Shatterhands und Winnetous bei ihrem Verbrechen, einen Treck in die Irre zu leiten und im "murdering pool" auszurauben, gestört. Die Gefährten jagen die "Geier" in eine Sackgasse von Kakteenfeldern, deren rechte und linke Flanke sie zuvor in Brand gesetzt haben. Tobias Preisegott Burton, auch bekannt unter dem Namen "Stealing-Fox", entpuppt sich als Anführer der Geier und wird von Bloody Fox als Mörder seiner Eltern erkannt. Bloody Fox hatte seinerzeit nach dem Überfall nur den Namen "Fox" behalten und war nach diesem benannt worden. Der Verbrecher Burton bricht sich nach hitziger Verfolgungsjagd beim Sturz vom Pferd den Hals. Zum Schluss stellt sich weiterhin heraus, dass der Schwarze Bob der langesuchte Sohn der alten Sanna ist, welche für Bloody Fox' Oase hütet, und der ihr Sohn im Kindesalter entrissen worden war. |
| Mein Kommentar |
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Von den 9 Kapiteln des Romans wurden die Kapitel 1 und 2, Teile aus 3 sowie die Kapitel 4, 6 und 9 für das Hörspiel umgesetzt. Nach Vertonung der Erzählung »Der Sohn des Bärenjägers« widmete sich Dagmar von Kurmin der Erzählung »Unter Geiern«, wofür sie wieder dasselbe Sprecherteam einsetzte: Der dicke Jemmy wird in beiden Hörspielen von Horst Beck verkörpert, Malte Petzel ist beide Male der lange Davy. Hobble-Frank ist jeweils Immo Kroneberg, und Bob wird von Jürgen Strube verkörpert. Karl-Heinz Hess ist wiederum Old Shatterhand - und das wie gewohnt sehr überzeugend. Gunther Beth, der im Hörspiel »Der Sohn des Bärenjägers« den Indianer Wokadeh sprach, wurde hier als Indianer »Eisenherz« eingesetzt. Siegmar Schneider ist dort Indianerhäuptling Oihtka-petai und hier der heuchlerische Tobias Preisegott Burton. Während Christian Rode im »Bärenjäger« als Winnetou etwas ungewohnt klingt, überzeugt er in »Unter Geiern« in der Hauptrolle als Bloody Fox. Hier wird dafür die Figur Winnetous völlig aus der Handlung gestrichen. Das Gebiet des Llano Estacado beschreibt Karl May als fast wasserlose Wüste. Tatsächlich bildet die natürliche Vegetation der Ebene eine Hochgrassteppe. Bloody Fox ist im Roman »kaum dem Knabenalter entwachsen«. Christian Rode war für die Rolle des Bloody Fox also schon zu alt. Auf Grund der sprecherischen Leistung wurde dies jedoch zur Nebensache. Er klingt in der Szene, in der er als "Geist" auftritt, finster und unterdrückt, als hätte er tatsächlich eine Maske auf. Sein Pferd, das wohl über die statische Aufladung über und über mit kleinen Flämmchen bedeckt ist, erinnert an das Erscheinungsbild des Hundes in »The Hound of the Baskervilles« von Arthur Conan Doyle (1859-1930). In der 1901/02 erschienen Erzählung heißt es im letzten Kapitel: »Es war ein Hund, ein riesiger, pechschwarzer Hund, doch kein Hund, wie ihn sterbliche Augen jemals gesehen haben. Feuer schoss aus seinem offenen Rachen, aus den Augen glühte schwelende Glut, Lefzen und Nacken waren von hellen Flammen umlodert.« Bloody Fox und sein Pferd spiegeln sich in der erwähnten Szene - im Roman im Kapitel »Geisterstunde« - in übernatürlicher Größe am Himmel. Wie schon in »Der Sohn des Bärenjägers« glänzt hier Immo Kroneberg als Hobble-Frank, der erneut seine Gefährten und den Zuhörer mit verdrehten Zitaten in sächsischem Dialekt amüsiert. Hobble-Frank glaubt, den »unsterblichen Goethe« (Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832) zu zitieren, tatsächlich aber zitiert er Friedrich von Schiller (1759-1805):
Schiller schreibt in seiner Ballade »Der Taucher« (1797):
Hervorzuheben ist auch Marga Maasberg als Sanna (»... von Tennessee nach Kentucky?«) und die ergreifende Szene des Wiedersehens von Mutter und Sohn Bob. Die Covergestaltung von Hans Möller - Bloody Fox mit dem Büffelfell vor der Kulisse des Llano Estacado - bildet ein Highlight und ist das beste Cover, das der Künstler für EUROPA entworfen hat. Es ist wohl das beste Cover, das jemals auf einer EUROPA-Schallplattenhülle zu finden war. Kuriosa: Helmer bietet seinem Gast, dem Llano-Geier, einen Schnaps an. Man wird sich fragen, warum er keinen Whiskey empfiehlt. Helmer ist Deutscher und hat im Roman naturgemäß Bier und Schnaps im Angebot. Bei der CD-Veröffentlichung des Hörspiels hat man eine vollkommen sinnlose Veränderung vorgenommen. In den letzten zwei, drei Minuten wurde zum Ausklang des Hörspiels eine neue Musik eingefügt. Die bekannte, symphonische Musik, die oft in Karl-May-Hörspielen Dagmar von Kurmins zu hören, wurde unter der Stimme Hans Paetschs weggeblendet und eine neue, völlig unpassende Musik eingeblendet. Dieser unnachvollziehbare Eingriff ist zudem so dilettantisch umgesetzt worden, dass schiefe Klänge entstanden sind. |
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