E 2024




Kommentar von Max




Der gestiefelte Kater



»Kauf mir nur ein paar schöne schwarze Stiefel ...«

(der Kater)




Offenbar hatte Illustratorin Helga Kophal nie das Hörspiel gehört, für welches sie gerade eine Coverzeichnung anfertigte. Sonst hätte sie gemerkt, dass sie für das Schuhwerk des Katers eine andere Farbe hätte wählen müssen. Das Cover war allerdings nicht das einzige Problem, dass ich mit dem vorliegenden Hörspiel hatte. Denn auch die Sprecherbesetzung fand ich zum Großteil nicht besonders geglückt.

Hans Paetsch als Erzähler ist dabei natürlich nicht gemeint. Die Produktion gehörte zu den allerersten EUROPA-Hörspielen aus dem Jahr 1966, und dem größtenteils nur in diesem Jahr auftretenden Ensemble fehlte einfach noch das passende Profil. Unglücklicherweise wurde dieses Märchen in den tragenden Nebenrollen dann auch noch mit Sprechern besetzt, die selbst in diesem Jahrgang nur selten eingesetzt wurden und denen meiner Meinung nach auch etwas Talent fehlte.

So bleibt Eggert Ilgner als Müllerbursche einfach nur blass und auch Jürgen Hering-Lunau fehlt es an jener Dämonie, die für die Rolle des "Großen Zauberers" notwendig wäre. Übrigens hatte ich, als ich mich für die Sprecher zu interessieren begann und meine ersten eigenen Sprecherübersichten zu den bei mir vorhandenen Hörspielen erstellt hatte, diesen Herren zunächst für einen akustischen Zwillingsbruder von Andreas Beurmann beziehungsweise für die gleiche Person gehalten. Und dies nicht nur deswegen, weil er häufig mit dem Pseudonym "Hans Meinhardt" angegeben wurde.

Positiv hervorzuheben ist Hermann Lenschau als König. Ich kann mich nur wiederholen [siehe den Kommentar des Autors zu »Die Bremer Stadtmusikanten«, E 204] wie bedauerlich es ist, dass er nur in diesem einen Jahr eingesetzt wurde. Sven H. Mahler in der Hauptrolle wäre an sich eine gute Wahl, hätte man ihn einfach nur mit einer verstellten Stimme den Kater spielen lassen. Stattdessen wurde das Tonband bei der Abmischung mit erhöhter Geschwindigkeit abgespielt. Die so verzerrte Stimme hatte mich schon als Kind gestört und der Aufnahme eine technisch sterile Atmosphäre ohne märchenhaften Flair gegeben.

Sehr gut gefallen hatten mir dagegen die Geräuscheffekte bei den Tierverwandlungen des Zauberers, die wohl hierfür entstanden waren und in späteren Hörspielen immer wieder auftauchen und für mich ein echtes Wahrzeichen der EUROPA-Märchen wurden.

Für die hier behandelte Neuausgabe hatte Heikedine Körting das vorhandene Hörspiel noch mit zusätzlicher Musik aufgewertet, und diese Neuabmischung gefiel mir auch deutlich besser als die ebenfalls schon in Kindertagen in meiner Sammlung befindliche Originalfassung auf der E206.



Der Zaunkönig



»Tirili! Tirili!«

(die Lerche)




Mehr bräuchte man zu diesem Hörspiel auch nicht zu schreiben, um merken zu lassen, dass diese Produktion, wenn man ein klassisches Märchenhörspiel erwartet, nur enttäuschen kann. Das liegt nicht an der Hörspielfassung von Heikedine Körting, sondern an der ungewöhnlichen Geschichte aus der Sammlung der Brüder Grimm, die nur fantasievolle Erklärungen für die Verhaltensweisen einiger Vögel bietet. Warum man dann ausgerechnet diesen Text für ein Hörspiel auswählte und dagegen andere besser geeignete Märchen aus der B-Liga wie »Die sieben Raben« nie vertonte, bleibt wohl ewig ein Rätsel.

Im Groben geht es darum, dass die Vögel nicht länger ohne Herrscher sein und einen von ihnen zum König erklären wollen. Dieser soll sich in einem Wettstreit in mehreren Disziplinen qualifizieren. Ein kleiner, bis dahin noch namenloser Vogel, schafft es, durch Schummelei als Gewinner in den Wettbewerben zu erscheinen. Da seine Unfairness aber nicht unbemerkt bleibt, soll der Kleine in einer Erdhöhle zur Strafe verhungern. Es gelingt ihm allerdings, auch die wachehaltende Eule zu überlisten und freizukommen. Da er sich aber nun unter den Vögeln nicht mehr sehen lassen kann, muss er sich nun an Zäunen und in Hecken verstecken und erhält den Spottnamen "Zaunkönig".

Leider ist auch die Umsetzung viel zu überdreht, und alle beteiligten Sprecher zwitschern, trällern, pfeifen, krähen und schnattern einfach nur durcheinander und machen das Durchhören dieser Aufnahme sehr schwer. Ja, natürlich, es ist ein Kinderhörspiel, und die Kleinen werden da schon ihren Spaß daran haben, könnte man sagen. Ich aber sage: Ich hatte die Platte bereits im Kindergartenalter, und selbst zu diesem Zeitpunkt mochte ich dieses anstrengend laute Hörspiel gar nicht. Heute, mit den Ohren eines sogenannten Erwachsenen, kann ich der Handlung und Umsetzung natürlich nicht mehr abgewinnen.

Einzeln betrachtet kann ich den Sprechern keinen Vorwurf machen. Reinhilt Schneider hat in der Titelrolle außer ihrem »König bin ich! König bin ich!« zwar nicht viel Text, gibt aber eine gute Vorstellung von dem kleinen, frechen und so doch sympathischen Piepmatz. Dagmar von Kurmin und Bernd Kreibich sind als Hühnchen und Hähnchen ein drolliges Gespann und Joachim Rake ist die ideale Besetzung für den majestätischen Adler. In der Schlussszene ist dann Marga Maaßberg als Eule zu hören. Sie gibt mit ihrer tiefen »Schrumpeldei«-Stimme die notwenige Ruhe im Abschluss der ganzen Schnatterei und lässt tatsächlich einen Hauch von märchenhafter Stimmung aufkommen.

Retten können diese Sprechergrößen die Aufnahme für mich jedoch nicht. Zudem kommt hier noch das schon beim »gestiefelten Kater« auftretende Problem dazu, dass die Passagen von Andreas Beurmann und Heikedine Körting wiederrum mit höherer Geschwindigkeit eingespielt wurden. Sind die Texte wie »Wo bleib ich? Wo bleib ich?« des Kiebitzes und das schon eingangs erwähnte »Tirili!« der Lerche nicht schon so merkwürdig genug, klingt es nun so, als hätten die beiden Helium eingeatmet oder Schlimmeres.

Drei Mucks für den Kater, einen Gnadenpunkt für die Schlussszene beim Zaunkönig. Ergibt im Durchschnitt zwei Mucks für die LP.





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