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E 2002 |
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| Kommentar von Christoph |
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Es gibt EUROPA-Hörspiele, die sprichwörtlich wie die berühmte Bombe einschlagen - meist schon nach dem ersten Anhören. Dieses hier gehört leider nicht dazu. Und dabei haben es die Damen und Herren sicherlich gut gemeint. Jedoch ist vorliegendes Hörspiel, welches im Jahr 1971 unter der Regie von Konrad Halver produziert wurde, wenig gelungen und weiß aber auch gar nicht zu überzeugen. Mal ganz davon abgesehen, dass mir Konrad Halver als draufgängerischer d'Artagnan nicht sonderlich gefällt, spricht Rudolf H. Herget, welcher schon im Hörspiel »Robin Hood« eine totale Fehlbesetzung war (meine ganz persönliche Meinung), hier gleich ganze vier Rollen. Auch wenn diese neben seinem Porthos-Part nur winzig klein sind, so hat man doch das Gefühl, den guten Rudolf aus jeder Ecke zu hören. Da gefallen mir Peter von Schultz als Athos und Michael Weckler als Aramis schon wesentlich besser. Jedoch bietet auch das Hörspiel selbst wenig Erfreuliches und so etwas wie Spannung kommt wirklich zu keinem Zeitpunkt auf. Vielleicht ist der Roman von Alexandre Dumas als Hörspiel auch schwer umsetzbar, jedoch werde ich den Eindruck nicht los, dass hier wesentlich mehr drin gewesen wäre. Es kommt mir so vor, als hätte man das Hörspiel einfach machen müssen, jedoch fehlten einem die guten Ideen. Es klingt, als habe man lediglich ein Skript möglichst flink abgearbeitet - und das kann es ja wohl nicht sein. Zusätzlich wurden meiner Meinung nach zu viele (flotte) Sprüche mit eingebaut, welche das Ganze wohl etwas auflockern sollten. Vieles wirkt aber zu aufgesetzt - Rohrkrepierer, welche einfach nicht zünden und eher lächerlich statt lustig klingen. Bei Richard Lesters späterer Verfilmung aus dem Jahre 1973 sind es fast dieselben Kalauer, jedoch kommt es hier wesentlich lustiger rüber. Ich mag den Film sehr. Außerdem ist das Hörspiel ausgesprochen kurz geraten. Nicht einmal 30 Minuten hat man die Chance, Athos, Porthos, Aramis und d'Artagnan besser kennenzulernen. Ein paar zusätzliche Minuten hätten dem Hörspiel mit Sicherheit nicht geschadet, zumal Essentielles fehlt. Beginnend mit einer bereits abturnenden Fanfaren-Melodie erfährt man zunächst, dass der junge Heißsporn d'Artagnan sich auf den Weg nach Paris begibt, um dort ein tapferer Musketier zu werden. Unterwegs dorthin wird er wegen seines wohl grenzwertig aussehenden Rosses angepöbelt und in einen Streit verwickelt. Unfairerweise wird er hinterrücks niedergeschlagen - sein Widersacher entkommt. Hier finde ich es schade, dass komplett auf die Rolle des Rochefort verzichtet wurde, welcher im besagten Film wunderbar böse von Christopher Lee dargestellt wurde. Daraus hätte man was machen können. Angekommen in Paris sucht d'Artagnan Monsieur de Tréville auf, welcher des Königs Musketiere kommandiert. Dieser sagt d'Artagnan, dass er zunächst in den regulären Truppen gedient haben müsse, bevor er Aussicht darauf haben könne, Musketier zu werden. Jedoch macht er ihm Hoffnung. Da d'Artagnan während des Gespräches mit de Tréville den unbekannten Widersacher erblickt, stürmt er aus dem Zimmer und rempelt beziehungsweise pöbelt seine drei späteren Weggefährten an. Somit sind ihm drei Duelle sicher, welche am Folgetag im Karmeliterkloster ausgetragen werden sollen. Die Duelle finden jedoch nicht statt, da die Wache des Kardinals hinzustößt und die drei Musketiere arretiert. D'Artagnan schlägt sich auf die Seite der Musketiere und beeindruckt diese durch seine Kampfeskunst (fecht, fecht, fecht, »Ha, nimm dies, jaaa ...«). Man besiegt die Wache des Kardinals und fortan sind es nicht die drei, sondern die vier Musketiere, welche für König, Frankreich etc. streiten. Hierauf stößt man mit Wein an - naturelement. Dem aufmerksamen Leser wird bereits an meiner kurzen Schilderung auffallen sein, dass hier doch etwas Entscheidendes fehlt beziehungsweise etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Richtig, wann wurde der gute d'Artagnan denn in die Reihen der Musketiere aufgenommen? Bedarf es hierzu nicht sogar der Erlaubnis des Königs oder doch wenigstens der des Kommandeur Monsieur de Tréville? Und wann in der Zwischenzeit hat d'Artagnan bei den regulären Truppen gedient? Auch hätte eine gewonnene Schlacht mit der Wache des Kardinals wohl kaum d'Artagnans Aufstieg begünstigt - im Gegenteil. Der frischgebackene Musketier d'Artagnan findet Unterkunft bei Madame und Monsieur Bonancieux. Die Dame, eine Schneiderin der Königin, ist der Krone ergeben. Ihr Gatte (welcher ebenfalls von Rudolf H. Herget gesprochen wurde - dies gar lächerlich tuntig - grauenhaft) hält es dagegen mit dem Kardinal Richelieu. D'Artagnan belauscht ein Gespräch der beiden, in welchem Madame Bonancieux ihren Mann um einen geheimnisvollen Botendienst für die Königin bittet, den dieser ablehnt. D'Artagnan, welchem sich Madame anvertraut, übernimmt die Aufgabe. Hierbei geht es um die Rückholung eines kompromittierenden Schmuckes, welchen die Königin ihrem Liebhaber, dem Herzog von Buckingham, als Zeichen ihrer Liebe überlassen hat. Diesen soll die Königin auf einem nahenden Ball zur Schau tragen, auf dass der Kardinal keine Möglichkeit hat, die Königin vor dem König zu diskreditieren. Im Hörspiel folgt nun die nächste Ungereimtheit. Sowohl Athos, als auch Porthos und Aramis wundern sich über von Monsieur de Tréville ausgestellte Urlaubsscheine. Diese hat d'Artagnan für seine drei Freunde ausstellen lassen, da er nicht alleine nach England eilen möchte. Das ist schon ein starkes Stück, oder? Der neue Musketier bucht Urlaub für seine drei Kameraden (»Ich dachte, ihr hättet vielleicht Spaß daran ...«) - unglaublich. Dass der Kardinal, der von der Liebelei der Königin weiß, die ganze Sache zu einem Himmelfahrtskommando werden lassen wird, spielt für keinen der vier Musketiere eine Rolle. Im Buch und im Film ist es zwar ebenso, nur kommt es hier wesentlich unglaubwürdiger rüber. Man macht sich also auf den Weg gen England und spätestens ab jetzt wird die Geschichte sogar richtig öde. Ein Musketier nach dem anderen wird am Weiterritt gehindert und so ist es schließlich d'Artagnan alleine, der die Juwelen vom Herzog entgegennimmt und der Königin gerade noch rechtzeitig zum Ball aushändigen kann. Das alles passiert in wenigen Hörspiel-Minuten. Eine eigentlich spannende Geschichte wird (wie bereits gesagt) schnellstmöglich abgearbeitet. Das was im Film etwa 100 Minuten dauert, wird hier in ganzen 25 Minuten lieblos runtergeleiert.
Die Königin erhält ihren "verräterischen" Schmuck zurück. Der Kardinal hat sein intrigantes Spiel verloren. Im Film (und
natürlich auch im Buch) wird d'Artagnan erst jetzt für seine Dienste feierlich bei den Musketieren
aufgenommen.
Seltsamerweise oder besser gesagt unnötigerweise geht das Hörspiel noch weiter. D'Artagnan sucht seine auf der Reise nach England verlorengegangenen Musketiere. Er findet Porthos, der sich auf dem Zimmer eines Wirtshauses eingeschlossen hat und jeden niederschießen will, der ihm zu nahekommt. Das ist lächerlich. Er findet Aramis, den er Dank der Belohnung vom König dazu bewegen kann, nicht in ein Kloster einzutreten. Auch dies ist zumindest albern. Und schließlich findet man Athos, der es sich in einem Weinkeller gemütlich gemacht hat. Zusammen trinkt man auf den König und alle sind glücklich. Das ist einfallslos. Kein wirklich gutes Hörspiel, und ich glaube: Selbst als Kind hätte ich es mir kein zweites Mal angehört. Ganz lustig finde ich jedoch die übertriebenen Betonungen der Namen - Athosssss, Porthosssss - köstlich. Auch dass der Erzähler Hans Paetsch Monsieur de Tréville als »Herrn von Tréville« benennt fand ich irgendwie witzig. Zwei von fünf Mucks. |
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Appendix: Als Kind dachte ich immer, die hießen Muskeltiere ... |