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E 277 |
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| 1. Kommentar von Carl Mai |
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| Zur Buchvorlage |
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Karl Mays Jugenderzählung »Das Vermächtnis des Inka« erschien zunächst in den Jahren 1891-1892 als fortgesetzte Erzählung in einer Zeitschrift. 1895 wurde sie in Buchform veröffentlicht. Bereits der Beginn des Romans wurde für das Hörspiel modifiziert: Am Vorabend eines allseits erwarteten Stierkampfs kommt es in einem Café in Buenos Aires zwischen dem Deutschen Karl (Carlos) Hammer, bekannt unter dem Namen »Vater Jaguar«, und dem berühmten, aber großmäuligen Stierkämpfer Antonio Perillo (im Hörspiel Juan Perillo) zu einer Auseinandersetzung. Vater Jaguar erkennt in ihm den Mann wieder, der vor Jahren in der Salina del Condor einen Raubmord begangen hat. Nach dieser Begebenheit stößt Perillo auf den deutschen Paläontologen Dr. Morgenstern und dessen Diener Fritz Kiesewetter. Dr. Morgenstern sieht einem gewissen Oberst Glotino verblüffend ähnlich, und so richtet sich ein Mordanschlag, den der Stierkämpfer auf den Oberst verüben wollte, fälschlicherweise gegen Morgenstern. Dieser schlägt fehl. (Der ganze Handlungsstrang um die Ähnlichkeit und die Verwechslungen Morgensterns mit Oberst Glotino werden im Hörspiel nicht erwähnt.) Am Folgetag findet der besagte Stierkampf statt. Nachdem zwei Stiere von einem Konkurrenten Perillos erlegt worden sind, wird zur besonderen Unterhaltung des Volkes in der Arena auch ein Jaguar vorgeführt. Als dieser zu entfliehen sucht, greift Vater Jaguar, der sich unter den Zuschauern befindet, ein, und bezwingt - nur mit einem Messer bewaffnet - das Tier. Danach erlegt er einen Bison, der mit dem Jaguar kämpfen sollte und zu diesem Zweck in die Arena gelassen worden war. Im Folgenden setzt die Hörspielhandlung ein: Vater Jaguar nimmt den Auftrag des Bankiers Salido an, zusammen mit seinen Männern dessen Neffen Anton Engelhardt (im Hörspiel Antonio) auf seiner Reise über die Anden nach Lima zu begleiten. (Die Figur des Gouverneurs kommt im Roman nicht vor, während im Hörspiel die Figur des Geronimo, eines wichtigen Gefährten Hammers, weggelassen wurde.) Dr. Morgenstern und seinem Diener Fritz Kiesewetter, die die Gesellschaft begleiten wollten, hatte Vater Jaguar zuvor von der gefahrvollen Reise abgeraten. Die beiden folgen der Gruppe dann aber unbemerkt und treffen dabei auf den eigenwilligen Don Parmesan, der sich für einen bedeutenden Chirurg hält und aus diesem Grund El Carnicero (Fleischhacker) genannt wird. Im Gran Chaco graben Morgenstern, Kiesewetter und Don Parmesan den Panzer einer versteinerten Riesenschildkröte aus. Der Panzer entpuppt sich als geheimes Waffenlager. Während dieser Entdeckung werden die drei von Perillo und dem Gambusino (Goldsucher) Benito Pajara (im Hörspiel Pajaro) überrascht und gefangen genommen. Die beiden Schurken haben sich mit den Abipones verbündet, mit denen sie die Regierung stürzen wollen. Don Parmesan wird freigelassen und kann Vater Jaguar zu Hilfe holen, welcher mit seinen Männern den Doktor und Kiesewetter befreit. Von diesen erfährt Vater Jaguar, dass nicht nur ein Putsch geplant ist, sondern auch die Indianer vom Stamm der Cambas, die mit den Abipones in Feindschaft leben, vernichtet werden sollen. Die Gesellschaft stößt auf den jungen Haukaropora und dessen alten Lehrer Anciano. Beide sind auf dem Weg in die Anden, wo das Vermächtnis von Haukaroporas Vater in Form eines großen Goldschatzes der Inka versteckt ist. Anciano ist der Auffassung, dass Haukaropora mit dem Gold das untergegangene Reich der Inka wieder auferstehen lassen könne. Nach der Befreiung des Camba-Häuptlings durch Haukaropora und Anton kann Vater Jaguar mit seinem Trupp die Abipones in einem Talkessel einschließen und unschädlich machen. Der Aufstand gegen die Regierung ist damit vereitelt. In der Barranca del Homicido (Mordschlucht) angekommen, suchen Haukaropora, Anciano, Vater Jaguar und Anton den Zugang zum Vermächtnis des letzten Inka auf. Sie betreten den goldgefüllten Stollen, entnehmen jedoch nur einen Kippu (einen aus Schnüren beziehungsweise Knoten bestehenden "Brief"), und verlassen die Schlucht wieder. Der Kippu stellt ein Testament dar, worin Haukaroporas Vater den Wunsch äußert, dass das Gold, das Unglück über sein Volk gebracht hatte, nicht gehoben werden solle. Benito Pajara hatte einst den Bruder Vater Jaguars ermordet; Perillo aber hatte einst dem Vater Haukaroporas aufgelauert und diesen beraubt und ermordet. Zufällig entdecken Perillo und Pajara nun unten in der Mordschlucht den Zugang zum Schatz der Inka. Dabei entzünden sie dort bereitliegende Fackeln. Sie ahnen nicht, dass genau diese Lichter den Schatz vor unbefugtem Zugriff schützen sollen und lösen damit eine gewaltige Explosion aus, die den Schatz für immer verschüttet. Damit erfüllen sie unwissentlich den Wunsch des letzten Inka und gehen dabei selbst zugrunde. |
| Mein Kommentar |
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Ein wesentliches Moment des Romans besteht in der Tatsache, dass die treibenden Kräfte des Putsches aus Mördern bestehen. Ihre Gier nach Gold wird ihnen zum Verhängnis. Dagegen stehen die Idee und der Wille des letzten Inka: »Werde reich an Geist, nicht an Metall.« Dieser Wunsch wird von seinem Sohn Haukaropora beherzigt, welcher zu Guter Letzt beschließt, nach Europa zu gehen und dort studieren zu wollen. Die Handlung des Romans ist für das Hörspielformat von der umfassenden Figurenkonstellation her deutlich eingedampft worden, was dem Ganzen guttut. Der Anteil der "Verwechslungskomödie" um den weltfremden Gelehrten und seinen Helfer, die in revolutionäre Wirren und Fronten geraten, ist dabei fast komplett entfallen. Das hat aber wiederum zur Folge, dass man auch die Rollen der zwei Verbrecher Perillo und Pajaro so stark reduziert hat, dass sie nur in der letzten Szene zu hören sind. Äußerst gelungen ist die Verdichtung der Handlung zu Beginn des Hörspiels. Unter Umgehung der weitschweifenden Kampfszenen setzt das Hörspiel mit dem Erlegen des Stieres ein: »Tot brach der Stier zusammen. Sein Blut versickerte im Sand der Arena.« Die Besetzungsliste zeigt, dass die Aufnahme zeitnah oder sogar zeitgleich zu den beiden Hörspielen »Old Surehand I« und »Old Surehand II« entstanden sein muss. Hellmut Lange gibt einen überzeugenden, ernsten Vater Jaguar ab, und die Rollenvergabe von Michael Hinz als Haukaropora ist hier glücklicher gelungen als diejenige als Winnetou in den beiden genannten Hörspielen. Die Klänge der mexikanischen Gitarrenmusik passen vorzüglich in das Handlungsgefüge. Ein Höhepunkt des Hörspiels bildet die Szene, in der Konrad Mayerhoff als Anciano das Testament des letzten Inka verliest, während im Hintergrund stimmungsvoll die Ouvertüre zur Operette »Die schöne Galathée« von Franz von Suppé zu hören ist. Fehlerhaft in Skript und Umsetzung ist die Verwendung von Begriffen wie "Pfeife des Friedens" und "Kriegsbeil". Diese gehören dem Kulturkreis der nordamerikanischen Indianer an. Ebenso ist das Kriegsgeheul nordamerikanischer Indianer hier deplatziert. Derartige Verfehlungen gehen nicht auf Karl May zurück. Nicht zuletzt hat man, wohl aus Mangel an entsprechendem Bildmaterial, für das Cover ein Foto verwendet, das einen Darsteller verkleidet als nordamerikanischen Medizinmann während der Bad Segeberger Festspiele zeigt. Kuriosa: Es fällt auf, dass Peter Folken in der EUROPA-Fassung von »Das Vermächtnis des Inka« gar keine Sprecherrolle hat. Gemeinsam mit Konrad Halver legte er das Hörspiel in anderer Besetzung im Jahr 1976 ein zweites Mal absolut wortgleich bei der Teldec (Label Box/auditon) auf. Hier übernahm nun Halver die Rolle des Haukaropora, während Peter Folken den Gouverneur und unter seinem Pseudonym Marcel von Berg noch »Roter Pfeil« sprach. Diese Einspielung erreicht die Qualität und Atmosphäre der vorliegenden Fassung jedoch nicht. |
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| 2. Kommentar von Pitichinaccio |
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Zur Haben-Seite: Für das Hörspiel sprechen die wie immer von Peter Folken konsequent auf das Wesentliche konzentrierte Hörspielfassung, die durchweg guten Sprecher sowie die solide Umsetzung durch Konrad Halver, eingedenk der Musikauswahl durch Andreas Beurmann. Liest man die Inhaltsangabe des Romans (oben sehr lesenswert zusammengefasst von Carl Mai, vielen Dank!), so wird schnell deutlich, wie schwer es für Peter Folken gewesen sein muss, die umfangreiche Handlung nebst der Vielzahl an Charakteren in eine Hörspielform von circa 40 Minuten zu gießen. Die Handlung ist nachvollziehbar und wirkt nie gestaucht, auch die Hauptfiguren erhalten überwiegend ausreichend Profil. Das seinerzeit verfügbare Sprecherensemble hat mit anderen Produktionen Hörspielgeschichte geschrieben (»Raumschiff UX3 antwortet nicht«, »Hui Buh das Schlossgespenst«, »Schauergeschichten«) und beweist sich auch hier. Michael Hinz als Haukaropora leistet in meinen Ohren die überzeugendste Interpretation seiner Rollen im Rahmen der damaligen Aufnahmen von 1969 ab - war er doch als Winnetou in »Old Surehand« eine komplette Fehlbesetzung. Hellmut Lange (»Vater Jaguar«) ist souverän wie immer, und Konrad Halver (Antonio) gelingt die überzeugende Darstellung eines jungen Mannes. Allen voran beeindruckt jedoch Konrad Mayerhoff in der Rolle Ancianos, der die wohl beste Szene des Hörspiels - das Verlesen des Testamentes - liefert. Leider verstarb Konrad Mayerhoff kurz nach den Aufnahmen. Konrad Halver sorgte für eine ausgewogene Umsetzung des Stoffes. Das Hörspiel gleitet in den bewegenden Szenen nie in Kitsch ab, und auch die komische Rolle Hans Clarins (Dr. Parmesan) wirkt nicht überzogen. Andreas Beurmann besorgte seinerzeit die musikalische Untermalung der Produktion und traf mit der Auswahl des "Erweckungsthemas" aus Franz von Suppés Einakter »Die schöne Galathée«, welches zu hören ist, als Anciano das Testament verliest, wieder einmal ins Schwarze. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Treffsicherheit hier die schauspielerische Leistung Konrad Mayerhoffs, die Regie Konrad Halvers und die musikalische Begleitung ineinandergreifen. So weit, so gut. Aber kommen wir nun zur Soll-Seite: In meinen Ohren eignet sich die Vorlage nicht wirklich für ein Hörspiel. Viel zu viele Personen tummeln sich hier, die alle völlig verschiedene Hintergründe mit sich bringen und absolut divergierende Ziele verfolgen. Eine private Rachegeschichte, eine Revolution, Gold suchende Schurken, das Schicksal eines aussterbenden Volkes und trottelige Wissenschaftler bestimmen die Handlung, die in einem großen Bogen über verschiedene Schauplätze führt und sich den Hörer am Ende fragen lässt: Worum ging es hier eigentlich genau? Als Folgeerscheinung tauchen daher erst kurz vor Schluss die zu stellenden Schurken (Benito Pajaro und Juan Perillo) auf, um kurz darauf ums Leben zu kommen. Leider bleiben gerade die Schurken deswegen sehr konturlos. Horst Stark wirft sich hier neben Michael Poelchau noch einmal richtig ins Zeug, aber das rettet an dieser Stelle leider nicht viel. Mein Fazit: Im Großen und Ganzen geht das Hörspiel in Ordnung und bietet (auch ohne Kindheitsbonus) eine hörenswerte Produktion aus der Halver-Ära, nicht zuletzt wegen der "Testamentsverlesung". Blickt man auf die weitere Geschichte dieser Produktion, so ist festzuhalten, dass sie im EUROPA-Katalog ein Außenseiter blieb: Es gab kein Hörspiel, das an diesen Themenkomplex anknüpfte, eine MC-Fassung hiervon erschien nie und es fand sich auch wenig Werbung auf den Coverrückseiten anderer EUROPA-Schallplatten. In die Sammlung gehört die Produktion trotzdem. |
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