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Kommentar von Carl Mai





»Ich bin das größte Greenhorn, das es geben kann!«

(Sam Hawkens)




Zur Buchvorlage

Karl Mays Roman »Winnetou der Rote Gentleman. 2. Band.« erschien in Buchform erstmals 1893 und wurde - im Gegensatz zum ersten Band und abgesehen vom Schlusskapitel - aus bereits früher veröffentlichten Erzählungen zusammengestellt. Den ersten Teil des Bandes bildet in bearbeiteter Form die Erzählung »Der Scout« (Kapitel 1 bis 4). Der zweite Teil (Kapitel 5 und 6) basiert auf der 1879 in Buchform erschienenen Erzählung »Im fernen Westen«, die wiederum eine Neufassung von »Old Firehand« darstellt. Nur das siebte Kapitel schrieb Karl May eigens für die Buchausgabe, wobei er versuchte, mit dem erneuten Erscheinen des Mörders Santer einen unmittelbaren Handlungszusammenhang mit dem ersten Band herzustellen.

Auf Grund der Montage mehrerer kurzer Erzählungen bildet der Roman kein geschlossenes Handlungsgefüge. In den eingefügten, älteren Erzählungen tritt der Apatschenhäuptling nur bedingt als tragende Figur in Erscheinung, und so passen diese nicht in die Biographie Winnetous, die ja die Romane »Winnetou I« bis »Winnetou III« darstellen. Ab 1904 ließ Karl May den Titel auf das heute noch verwendete »Winnetou. 2. Band.« verkürzen. 1908 erschien eine illustrierte Ausgabe unter dem Titel »Winnetou II«. Diese Titelkurzfassung, die zudem auch regelmäßig auf den Buchrücken Verwendung fand, hat sich umgangssprachlich durchgesetzt.

Auf dem Weg zur "Festung" erfährt Old Shatterhand die Geschichte um Ribanna, und dass der von ihm gerettete Harry der Sohn Old Firehands und Ribannas ist. Harry war von Winnetou aufgezogen worden. In der "Festung" angekommen, treffen die Westmänner und Winnetou neben den Helfern Old Firehands - den Biberjägern - auf Sam Hawkens, Dick Stone, Will Parker und Harry. Auf einem Erkundungsgang stellt Old Shatterhand fest, dass Parranoh überlebt hat und die Poncas anführt. Er kann gefangen genommen werden. Während seiner Hinrichtung außerhalb der "Festung" werden die Gefährten überfallen und Old Firehand schwer verwundet. Er wird für tot gehalten, überlebt jedoch. Später überfallen die Poncas die "Festung", Parranoh wird erschossen, und Old Shatterhand rettet Harry zum zweiten Mal das Leben. (Letzteres wird im Hörspiel abgewandelt beziehungsweise fortgelassen.)

Da die Verluste groß sind und Old Firehand schwer an seinen Verletzungen zu tragen hat, muss er sein Jägerdasein vorerst aufgeben. Es wird geplant, den Vorrat an Biberpelzen schnell zu verkaufen. Zu diesem Zweck suchen Winnetou und Old Shatterhand einen Pelzhändler (Pedlar) auf, der sich als der Schurke Santer, der Mörder von Winnetous Vater und Schwester, entpuppt. Dieser kann die beiden Blutsbrüder durch eine List und mit Hilfe seiner Kumpane gefangen nehmen, will beide auslöschen und nebenbei die Felle Old Firehands stehlen. Winnetou und Old Shatterhand gelingt es, sich zu befreien. Durch eine Dummheit Sam Hawkens' entgeht Santer der ihm gestellten Falle, sodass sich am Ende die Wege von Winnetou und Old Shatterhand wieder trennen. Während Winnetou Santer verfolgt, verbleibt Old Shatterhand in der "Festung".



Mein Kommentar

Das Hörspiel umfasst aus dem Roman »Winnetou II« von 20 Kapiteln lediglich die Kapitel 14 bis 20.

Die wesentlichen Aspekte, die auf die Aufnahme »Winnetou I« zutreffen, gelten auch hier, da es sich bei »Der Schatz im Silbersee«, Folgen 1 und 2 sowie »Winnetou I« bis »Winnetou III« um Parallelaufnahmen handelt. Sprecher, Musiker und Hintergrundgeräusche bleiben durchgehend unverändert.

Wie schon in der ersten Folge von »Winnetou II«, so hätte man auch hier das gesamte Hörspiel detaillierter ausführen und die Seitenlängen der Langspielplatte besser nutzen können. Kurioserweise wird die Rolle des Häuptling Parranoh, Auslöser des Konflikts und Gegenpart der Prärie-Helden, kaum ausgeführt. Sie existiert weitgehend in der Erwähnung beziehungsweise Beschreibung anderer, obwohl sie einen großen Anteil an der Handlung hat. Statt einer wortlosen Figur hätte man in den Szenen mit den Protagonisten Dialoge erwartet.

Auffälligkeiten: Wie in der ersten Folge des zweiten Teils ertönen auch hier - nach dem Eintreffen in der "Festung", bei der Begegnung mit den ersten Indianern sowie in der Schlussszene - Orgelakkorde, die uns daran erinnern, dass diese Hörspiele über 50 Jahre alt sind. Auch die Erkennungsmelodie Winnetous in der Schlussszene endet mit Orgelklängen. Eine Besonderheit bildet das lange Ausblenden der Tierlaute in der Prärie am Ende der ersten Seite.

Kuriosa: Benno Gellenbeck, der hier in der Rolle als Old Firehand glänzt, hatte bereits 1964 in der Philips/FASS-Version von »Winnetou I« die Rolle des Intschu-tschuna übernommen.

Das Cover zeigt eine Szene von den Karl-May-Festspielen Bad Segeberg.





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