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E 221 |
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| 2. Folge |
| Auf gefährlicher Entdeckungsfahrt |
| 1. Kommentar von Pitichinaccio |
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Im Laufe des Jahres 1967 verwendete man erstmals das neu geschaffene Label denn es war offensichtlich, dass die in diesem Jahr gemeinsam veröffentlichten Abenteuerhörspiele »Tom Sawyer und Huckleberry Finn«, »Die Irrfahrten des Odysseus« und »Siegfried - Die Nibelungensage« eine ältere Zielgruppe ansprachen als die der bisher vertonten Märchen. Zwar hatte man 1966 »Die Schatzinsel« und Anfang des Jahres 1967 »Polizeihubschrauber im Einsatz« noch innerhalb der herausgebracht, dies aber bald korrigiert. Außerdem erhielten die beiden Teile der vorliegenden Mississippi-Saga erstmalig die zwar dünneren, aber wegen der Klebelasche im Ergebnis haltbareren Pappcover. Aber auch inhaltlich hatte man aufgerüstet: Wenngleich die damaligen Produktionen im digitalen Zeitalter geradezu grobmotorisch wirken mögen, so verließ man doch den bis dahin gängigen und recht braven Erzählstil, verwendete neue Geräusche und erweiterte das Sprecherportfolio. Die Bearbeitung des Romans von Mark Twain übernahm Andreas Beurmann selbst. Natürlich waren Kürzungen des Stoffes unumgänglich, und so fielen Toms Bruder Sid, die Ausreißer-Episode Toms in Begleitung von Huckleberry Finn und Joe Harper sowie ein wenig Lokalkolorit vornehmlich aus der ersten Hälfte des Romans notwendigerweise der Schere zum Opfer. In den Mittelpunkt wurden dafür zwei Erzählstränge gerückt: die Ereignisse um Indianer Joe sowie die Liebesgeschichte zwischen Tom und Becky, was im Ergebnis zu einer stringenten Hörspielfassung führt, die genügend Zeit für Charakterisierungen und Beschreibungen lässt. Klugerweise behielt Dr. Beurmann auch den Sprachstil der handelnden Personen bei, wodurch wiederum sehr viel Atmosphäre gewahrt bleibt. Es hätte auch schlecht zu Huckleberry Finn gepasst, wenn dieser sich in druckreifen Dialogen mit Tom Sawyer unterhalten hätte - ein Fehler, den man allerdings in der acht Jahre später erschienenen Fortsetzung »Die Abenteuer des Huckleberry Finn« beging. Die Besetzung liegt nach meinen Ohren in den Bereichen gut bis sehr gut: Über Hans Paetsch als Erzähler braucht man nicht viele Worte machen, denn letztlich ist und bleibt er der Erzähler. Ein großer Vorteil dieser Produktion liegt in dem Einsatz echter Kinder für die entsprechenden Rollen von Tom, Huck und Becky. Und alle drei schlagen sich hervorragend. Florian Kühne (Tom Sawyer) spielt, als hätte er nie etwas anderes in seinem Leben getan, Regine Lamster (Becky Thatcher) hält mit und mit kleinen Abstrichen im Vergleich zu seinen beiden Mitstreitern liefert auch Wolf Schenke einen durchweg hörenswerten Huckleberry Finn ab. Bei den Erwachsenen ist natürlich Horst Fleck zu loben, der über Jahre die Stimme der »Deutschen Wochenschau« war. Mit den Ohren eines in die Jahre gekommenen Hörspielhörers chargiert er sicherlich ein wenig zu sehr, aber für Kinderohren dürfte es niemals einen bedrohlicheren Indianer Joe gegeben haben ... und dies war ja auch letztlich das Ziel. Die Szene im Bloody House gehört deshalb für mich zu den unheimlichsten Hörspielerinnerungen meiner Kindheit. Horst Fleck zur Seite steht in diesem Teil der Produktion mit einer halbwegs größeren Rolle lediglich noch Benno Gellenbeck als honoriger Richter Thatcher. Leider muss man festhalten, dass die sonst von mir sehr geschätzte Heike Kintzel in der finalen Szene mit dem großmütterlichen Tonfall der Mrs. Douglas nicht überzeugend klingt. Auch in der 2. Folge dieser Hörspielproduktion leistete man sich den gleichen Fehler wie im ersten Teil: die Verwendung eines Dialoges für den Hintergrund, der an sich eine eigene Szene darstellt. Und so erklingt dann vor dem Haus von Mrs. Douglas erneut das Gespräch zwischen Indianer Joe und seinem Kumpan, das der Hörer bereits aus dem Bloody House kennt. Wieder einmal hat Joe »... eine Angelegenheit in der Stadt zu erledigen.«. Ganz offensichtlich hatte man hier den Wiedererkennungswert der Dialoge selbst für Kinder unterschätzt. In Sachen Musik wagte sich Dr. Beurmann auch nur zur Einleitung der ersten LP-Seite und zum Ausklang der zweiten LP-Seite an leichtes Gitarrengeschrammel, sieht man einmal von dem während des Ausfluges gesungenen Kinderlied ab. Jedoch ist auch hier festzuhalten: Die fehlende Musik tut dem Unterhaltungswert des Hörspiels keinen Abbruch. Fazit: Eine Produktion, die sich zu Recht über viele Jahre im EUROPA-Katalog hielt und verdientermaßen ihre Wiederveröffentlichung auf CD erlebte. |
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| 2. Kommentar von Werner |
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Der brutale Mörder Indianer Joe ist im ersten Teil von »Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer« in letzter Sekunde entkommen. Er versteckt sich und verkleidet sich mit einer Maske als Spanier, so dass er unerkannt weiter seine bösen Fäden spinnen kann. Dabei geht es ihm vor allem darum, Tom Sawyer, der ihn ja verraten hat, und die Witwe Douglas (da kennt man keinen Grund, ihr Mann soll ihm wohl schwer geschadet haben) zu bestrafen. Eine alte Frau und ein kleiner Junge? Das ist schon ziemlich hart, wie viel Hass muss in dem Mann stecken? Im Jahre 1967 brachte EUROPA die Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn als Zweiteiler heraus, wobei allerdings nur Mark Twains Roman »Tom Sawyers Abenteuer« berücksichtigt wurde. »Die Abenteuer des Huckleberry Finn« erschienen erst acht Jahre später bei EUROPA. Die Geschichte spielt in dem kleinen puritanischen Ort St. Petersburg am Mississippi, wo der Waisenjunge Tom Sawyer bei seiner Tante Polly lebt. Auch der zweite Teil betont in erster Linie die düsteren Teile des Romans, der aber in seiner zweiten Hälfte auch nicht mehr so viele komische Szenen enthält. Tom Sawyer hat große Angst vor der Rache des Indianer Joe. Erst nach mehreren Wochen wagt er sich wieder aus dem Haus und geht mit seinem Freund Huck Finn auf Schatzsuche im »Bloody House" (der Name sagt alles). Prompt treffen sie hier auf den Indianer Joe und können nur mit knapper Not entkommen. Aber sie wissen jetzt auch, dass es tatsächlich einen Schatz gibt, der an einem geheimen Ort »Nummer 2 unter dem Kreuz" versteckt werden soll. Doch dann trennen sich die Wege der beiden Jungen. Tom verirrt sich mit seiner Freundin Becky bei einem Schulausflug in der Douglas-Höhle, hier geraten die beiden tatsächlich in Lebensgefahr. Huck verfolgt den Indianer Joe und kann dadurch ein Verbrechen verhindern. Am Ende geht natürlich alles gut aus, aber der Indianer Joe sorgt schon dafür, dass es bis dahin sehr dramatisch und spannend bleibt. Mark Twain veröffentlichte seinen Roman im Jahre 1876 und beschreibt darin teilweise autobiographisch seine eigene Jugend in dem Städtchen Hannibal im US-Bundesstaat Missouri in den 40'er Jahren des 19. Jahrhunderts. Dabei bezieht er allerdings auch Themen ein, die es in Missouri nicht gab: Missouri war kein Staat, in dem die Sklaverei erlaubt war, die im Roman häufig thematisiert wird. Er schafft in diesem Buch ein Gegenbild zu den beliebten Kinderromanen seiner Zeit, in denen Kinder als brav und angepasst dargestellt werden. Das führte dazu, dass der Roman anfangs sogar in einigen Teilen der USA verboten wurde. Insgesamt jedoch ist der Roman doch auch eine idyllische Verklärung der Jugendzeit Twains: Die Moralvorstellungen der Zeit werden nicht wirklich erschüttert. Huck Finn bleibt ein Außenseiter, der aber gern gesehen wird und letztlich auch kein wirklicher Rebell gegen die Gesellschaft ist. Tom neigt zwar zu Streichen, kennt aber letztlich doch die Grenzen und ist durch die strenge Erziehung Tante Pollys, Schule und Kirche schon ein einigermaßen angepasstes Mitglied der Gesellschaft. Heftig kritisiert wird von den Lesern häufig die Figur des Indianer Joe, der als grausamer Verbrecher dargestellt wird. Aber hier ist Mark Twain auch ein Kind seiner Zeit. Amerikanische Natives waren entweder brave und angepasste oder abgrundtief böse Figuren in der Literatur, das kannte man schon vom »Lederstrumpf«. Das Hörspiel nimmt sich im zweiten Teil ausreichend Zeit, die düstere Spannung, die über der ganzen Handlung liegt, sorgfältig herauszuarbeiten. Der Indianer Joe wird zur bedrohlichen Klammer der gesamten Handlung, und die Szenen in der Höhle sind wirklich sehr effektvoll umgesetzt. Beckys Todesangst wirkt sehr glaubwürdig, und in Toms Mut steckt eine Menge Verzweiflung. Etwas knapper, aber genauso spannend ist Hucks Verfolgung des Indianer Joe, allerdings wird das später von Erwachsenen übernommen, eine Jagd mit Schusswaffen ist denn doch kein Kinderspiel mehr. Am Ende verkündet der Erzähler dann aber doch die heile Welt: Auch Huck Finn wird ein braves Kind, ein guter Schüler und ein angepasstes Mitglied der Gesellschaft. Naja, wer weiß, wie es weitergeht ... Die Sprecher sind glücklich ausgewählt. Hans Paetsch als Erzähler wie immer in bester Form, herrlich böse Horst Flecks Indianer Joe. Benno Gellenbeck ist ein sympathischer Richter, hat aber nur wenig zu tun. Auch die Kinder gefallen mir gut, allen voran Florian Kühne als Tom. Hier kommt allerdings ein schwerer technischer Fehler zum Tragen: Die Stimme klingt sehr verzerrt ... lag's am Mikrophon? Da hätte man nachbessern müssen, denn leider zieht sich dieser Fehler über einen sehr großen Teil der Platte hin. Regine Lamster als Becky (sie wurde wirklich Schauspielerin und taucht auch heute noch gelegentlich in Hörspielen auf) und Wolf Schenke als Huck können recht gut mithalten. Heinz Fabian als Komplize des Indianer Joe ist etwas blass. Heike Kintzel bemüht sich in einem kurzen Monolog, wie eine alte Frau zu klingen ... ist nicht so ihr Ding. Geräuschetechnisch hat man bei dieser Aufnahme, die immer noch im Haus von Dr. Andreas Beurmann stattfand, kräftig zugelangt, musikalisch ist das Hörspiel eine Fehlanzeige, was aber überhaupt nicht stört. Besonders die Atmosphäre in der Höhle kommt gut rüber. Das Hörspiel entstand 1967, ein Jahr später kam der berühmte Weihnachtsvierteiler im ZDF heraus. Wusste man das bereits? Auf jeden Fall dürfte die Verfilmung dem Verkauf der LP sehr gutgetan haben. Hier ist ein sehr gelungener zweiter Teil entstanden. Ich bewerte mal den schweren Fehler mit Toms verzerrter Stimme nicht allzu streng, dann hat das Hörspiel seine 5 Mucks verdient. |
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